Antifaschistische Demonstration am 18.09.08 in Annaberg/B.

Am Donnerstag, dem 18.09.08 fand eine Demonstration gegen den Einzug der
NPD in den neuen erzgebirgischen Kreistag in Annaberg statt. Dem Aufruf in
die westsächsische Provinz, folgten ca. 200 DemonstrantInnen.

Hintergrund:

Im August 2008 wurden durch die Kreisreform in Sachsen die Landkreise Aue- Schwarzenberg, Stollberg, Annaberg und Mittlerer Erzgebirgskreis zum neuen Erzgebirgskreis zusammengelegt. Bei den darauf folgenden Wahlen des
Kreistages erhielt die NPD 5,7% der Wählerstimmen und somit 5 Sitze und zwei Berater im neuen Kreistag.
Die erste Kreistagssitzung am 18.09. wurde zum Anlass genommen antifaschistischen Widerstand gegen die antisemitische, rassistische und nationalistische Hetze im Erzgebirge zu zeigen.
Ein weiterer Grund auf die Straße zu gehen bestand darin, nicht stillschweigend hinzunehmen, dass die NPD auf kommunaler Ebene akzeptiert wird, und ihr eine gewisse Pauschalisierung widerfährt. Die NPD und DSU sind keine Alternativen! Landrat Vogel(CDU) rief zur ersten Sitzung zum gemeinsamen handeln auf. (sic!) „In einem Kreistag gibt es weder Regierung noch Opposition“. „Das war nur ein Sachantrag“, mit diesen Worten begründete S. Vogler von den Grünen seine Zustimmung zum Antrag, ob es einen Ältestenrat geben soll, dem ebenfalls die Nazi- Abgeordneten zustimmten. Es kann nicht sein, dass die NPD und DSU als normale demokratische Parteien gewertet werden! Wie sich die kommunale Zusammenarbeit mit den sechs rechtsextremen Kreisräten von NPD und DSU weiterhin gestalten wird, werden wir kritisch beobachten.

and action:

Die Demonstration begann mit einer Auftaktkundgebung am Annaberger
Marktplatz, bei welcher ein Redebeitrag zu Nazistrukturen und Aktivitäten im Erzgebirge gehalten wurde. Weiter ging es zur ersten Zwischenkundgebung am evangelischen Gymnasium in Annaberg mit einem Redebeitrag zum Demokratieverständnis der NPD, wo zeitgleich die erste Kreistagssitzung stattfand.

Einige Abgeordnete der Kreistagsfraktionen verließen die Sitzung, um an der Zwischenkundgebung teilzunehmen. Auch die rechtsextremen Kreisräte in ihren „bürgerlichen Zwirnen“ ließen nicht lange auf sich warten. Unter anderem mit lautstarken Sprechchören wurden sie von den DemonstrantInnen empfangen. Einzig und allein der Fraktionsvorsitzender der NPD Erzgebirge (Mario Löffler) ließ sich nicht blicken.

Da standen sie die Nazikreisräte Hentschel, Reicher, George, und Schubert. Ihre Berater Hartung und Kaden gesellten sich mit dazu. Seifert der DSU Kreisrat war ebenfalls nach draußen gekommen. Nach einigen fix geschossenen Bildern für das braune Fotoalbum verging ihnen wahrscheinlich das Lachen. Nur Hentschel ließ es sich nicht nehmen eisern zu warten, bis die DemonstrantInnen Richtung Innenstadt weiter zogen.

Bis dahin beschränkte sich der „nationale Widerstand“ auf ein paar Nazis die gelegentlich von weiten, die Antifademo beobachteten und einen Metall-Nazi der uns mit Hitlergruß begrüßte und dafür sofort Bekanntschaft mit der BFE machte.“



Angekommen auf der Wolkensteiner Straße ging es dann, die Große Kartengasse hinauf, vorbei an einer Immobilie des Holocaustleugners Günther Deckert, in welcher sich die Nazikneipe „S Kneipl“ befindet. Vor dem Naziladen „Phönix“ (Inhaber ist Markus Szallies) am Schulberg 3, wurde die zweite Zwischenkundgebung abgehalten.

Der Laden war von Bullenwannen total abgeriegelt worden und hinter den Fenstern lies sich erahnen welches Klientel sich hinter diesem „harmlosen Szeneladen“ verbirgt. Mindestens 10 Nazis standen dicht gedrängt im Verkaufsraum und beobachteten uns grimmig, es können auch deutlich mehr gewesen sein. Auf dem kleinen Spielplatz vor dem Laden wurde ein
großer zugehackter Altnazi unter lautem Protest seiner Freundin von den Bullen am Spielen gehindert und neben etlichen weiteren Schaulustigen Nazis in Seitenstraßen abgedrängt. Im Redebeitrag ging es um das „Phönix“ und das zweite Geschäft, von Szallies dem „Fullhouse“ auf der Straße der Einheit in Annaberg/B. Die Entwicklung der Nazimarke Thor Steinar wurde ebenfalls im Redebeitrag thematisiert.
Danach ging es weiter Richtung Große Kirchgasse und Markt. Unterwegs wurden wieder Flyer an PassantInnen verteilt und in Briefkästen gesteckt. Bei der Abschlußkundgebung auf dem Markt, wurde der letzte Redebeitrag speziell zur aktuellen Situation über antifaschistischen Widerstand in Annaberg/B. verlesen.


Team green:

Die anwesenden BFE´ ler durften natürlich ihren Jagdtrieb nachgehen. Beschlagnahmt wurden neben Handschuhen, ein Pullover (der wohl zur Vermummung geeignet wäre) und einem Winkelement auch Aufkleber, wie lächerlich! Ansonsten wurden die DemoteilnehmerInnen gleich aus allen Himmelrichtungen abgefilmt. Hier dürfte wohl der prozentuale Anteil von Kameras zu DemonstratInnen höher als üblich gewesen sein. Die mit anwesenden Herren vom Chemnitzer Staatsschutz scheuten keine Mühe an Infos über die Demo zukommen. „Da qualmt wohl die Rübe waa?“ Der Anquatschversuch war einfach nur dämlich!

Mit der Begründung, sich vermummt zu haben, wurden Personalienaufnahmen und das Abfilmen der betroffenen Personen seitens team green durch geführt. Wir lassen uns nicht einschüchtern!

Fazit :

Erfolgreich war die Demonstration, da in Annaberg-Buchholz bis jetzt viel zu selten gegen Rechts agiert wurde. Zweitens weil zwischen 120 -180 Menschen in der Woche und in der Provinz ein großer Erfolg sind. Drittens weil die Demonstration kreativ, lautstark und kraftvoll verlief und von einigen BürgerInnen und Kreisräten begrüßt und sogar mitgetragen wurde. Auch wenn die Berichterstattung in den lokalen Medien sich darauf beschränkte, DemoteilnehmerInnen zu denunzieren, war die Demo für uns ein Erfolg!

Nochmals ein Dankeschön an alle DemonstrantInnen für den fetten Support!

WIR KOMMEN WIEDER!

Denn es gibt kein ruhiges Hinterland, für Nazis, RassistInnen und AntisemitInnen!

Die von Repression betroffenen GenossInnen wenden sich bitte an: Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Chemnitz