Naziläden „Phönix“ und „Full House“ in Annaberg /B.

„Heute back ich – morgen brat ich und übermorgen smash ich den Naziladen
von nebenan! Ach wie gut, dass niemand weiß, wer die Schaufenster hier
zerschmeißt!“*

In einer (Klein)Stadt wie Annaberg-Buchholz, welche „rekordverdächtige“
NPD-Wahlerfolge aufweist, kann die Vermarktung von rechtsextremen
Handelsgütern ja eigentlich gar nicht so unprofitabel sein. Das dachte
sich wohl auch der NPD Gemeinderat (Großrückerswalde) Markus Szallies, welcher vor etlichen Jahren seinen eigenen
neonazistischen Konsumtempel „Phönix“ für die rechte Szene auf dem Schulberg 3 eröffnete. Sein „Naziszeneladen“ scheint sich durchaus zu rentieren, da er vor kurzem seine Verkaufsfläche noch vergrößerte. Die braune Produktpalette beinhaltet so ziemlich alles was Nazi begehrt. Klamotten der Marken „Troublemaker Germany“, „Consdaple“, „Pit Bull Germany“
und selbstverständlich auch von „Thor Steinar“ findet mensch hier in Hülle
und Fülle. Die neue Marke für den rechten Lifestyle „Eric and Sons“ welche auf die Erfolgslinie von Thor Steinar aufspringen möchte kann hier ebenfalls erworben werden. T-Shirts der extrem rechten Kapellen Stahlgewitter,
Skrewdriver und Landser sind fester Bestandteil des Sortiments. Natürlich
gibt es im Phönix auch Springerstiefel, Hosen und –Rucksäcke aus ehemaligen Bundeswehrbeständen. Schmuck und Aufnäher mit rassistischem und/oder germanisch/völkischem Hintergrund.
Im Gästebuch auf der Homepage des Ladens fand Mensch Einträge mit nazistischen Inhalten, welche nicht selten mit einem „Sieg Heil“ endeten. Des Weiteren profitiert Szallies und sein Umfeld von ihrer lokalen Monopolstellung in
Sachen Körperkult. Der/die gerade volljährig gewordene, spätpubertierende, rechte Annaberger Jugendliche kann sich von den Handlangern des Nazikaufmanns sein lang ersehntes Tribal unter die
„Zäh wie Leder“ Haut stechen lassen. Sich mal eben das eine oder andere
Piercing in ihre/n erstaunlicherweise doch recht weichen Kruppstahlkörper
schießen zu lassen, ist hier ebenfalls gar kein Problem. Das rechtsextreme Fanzine „Der Erzgebirgler“ machte ebenfalls Werbung für das Annaberger Tattoostudio. Welche Kundschaft sich hier bevorzugt stechen lässt, zeigten u. a. Fotos von „Ian Stuart Tattoowierungen“.
Gleichzeitig fungiert der Naziladen auch als Treffpunkt und Anlaufstelle
der rechten Szene. Menschen die tendenziell rechts eingestellt sind, und
denen die Kontakte fehlen, können so das Phönix als Anlaufstelle nutzen.
Das das „Phönix“ kein normaler Klamottenladen ist zeigte sich, auch am 18. September diesen Jahres.
Als vor dem Laden die antifaschistische Demonstration eine Zwischenkundgebung abhielt, befanden sich im Laden ca. 25 Nazis. Diese filmten die Demonstrant_innen ab. Mit ihrem Videomaterial versuchen sie nun vermeintliche Linke zu jagen und einzuschüchtern.
Da sich das Neonaziklientel nur einmal im halben
Jahr so etwas wie, nationale Identität in Form von Pullovern o.ä. leisten
kann, muss der Besitzer noch auf etwas massenkompatiblere Kleidung
ausweichen.
Und dafür wurde das „Full House“ auf der Straße der Einheit 4, neben dem
Skater-Laden „Overstatement“ eröffnet. Dort vertickt die liberal-braune
Riege von Sziallis neben den Marken „Hooligan Streetwear“, „Yakuza“ und
„New Balance“ auch die im rechtem Spektrum sehr beliebte Marke „Brachial“.
Eben für die sportlichere Kundschaft. Das Geschäftsprinzip des „Full
House“ scheint es größtenteils auf die (NS-) Hardcore-Szene abgesehen zu
haben. Wie so oft versuchen sich die Nazis mit ihrem Lifestyle (konkret in
diesem Falle) in die Hardcore-Szene einzuschleichen, was ihnen hier auch
mehr und mehr gelingt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Band „Pain in Chains“ und ihre
Fangemeinschaft. Neuerdings tragen auch die Bandmitglieder T Shirts mit Schriftzügen wie „good night left side“.

Phönix dichtmachen!
Naziläden angreifen und zerstören!

* In der Nacht zum 29. September sorgten vermutlich antifaschistisch Aktive, für frischen Wind im Phönix.(Denn Naziklamotten stinken!)
Mehrere Schaufensterscheiben und die der Eingangstür des Naziladens wurden zerstört!

Links: Markus Szallies im Phönix, während des Besuchs der Antifa Kaffeefahrt am 4. Juli 2005.