Solidarität mit den Opfern von Nazigewalt!

Am 14. Oktober fand im westsächsischen Hartenstein eine antifaschistische Spontandemo mit ca. 70 TeilnehmerInnen, gegen Naziterror statt.

Hindergrund war, dass am Morgen des 11.Oktobers 2008 auf dem Hbf Zwickau ein 22 Jähriger aus dem Erzgebirgskreis, welcher mit dem ersten Zug nach Hause fahren wollte, vor der Haupteingangstür von 8-10 jungen „Männern“, welche eindeutig der rechten Szene zuzuordnen sind, mit: „Dreckszecke“ usw. beschimpft. Der Betroffene wurde schließlich zusammengeschlagen. Der Rucksack des 22 jährigen wurde von den Tätern ebenfalls gestohlen. Das Opfer konnte sich in die Bahnhofshalle retten, ist anschließend auf seinen Bahnsteig, hat da 15min. gewartet und ist schließlich in die Erzgebirgsbahn Richtung Johanngeorgenstadt eingestiegen.

Die Neonazis müssen währenddessen ausfindig gemacht haben, mit welchem Zug er los gefahren ist. Denn schon an der nächsten Haltestelle – 3min. Fahrt bis Zwickau Schedewitz, steigten sie, mit dem Spruch: „Na, wen haben wir den da schon wieder!?“ ein. Mit Aussagen wie: „Wo kommst du denn her, gibt es da noch mehr solche Dreckszecken?“ oder „Dich nehmen wir in Hartenstein mit!“ wurde der 22jährige beleidigt und bedroht. Auf der Fahrt von Schedewitz bis Hartenstein wurde das Opfer nun weiter beschimpft, gezielt auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen und getreten!

Im Zug waren 3-4-PassantInnen, doch keine/r hat etwas gesagt- keine Reaktionen – kein Hilfeversuch, nicht einmal ein Polizeianruf oder Meldung beim Zugpersonal!
In Hartenstein sind die Nazischläger dann mit folgenden Worten geschlossen ausgestiegen: „Nehmen wir ihn mit?“ „Ach, wir lassen ihn einfach liegen.“

Das Opfer wurde am selbigen Tag ins Krankenhaus eingeliefert. Schädelhirntrauma, angebrochener Knöchel, Kopf und Gesicht auf das unkenntlichste verbeult und angeschwollen, unzählige Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper!
Wieder einmal hat sich gezeigt dass Menschen die nicht in das faschistische Weltbild von Nazis, RassistInnen und AntisemitInnen passen, jeder Zeit Opfer rechtsextremistischer Gewalt werden können!

Hier in einem gesamtgesellschaftlichen Klima, wo rechtsextreme Gewalttaten gegenüber Andersdenkende und Andersausehende Menschen egal welcher Herkunft stattfinden und geduldet werden, und die NPD in den sächs. Kreistage landesweit mit 5,1 % einziehen kann, ist es umso wichtiger den Nazis ihren Nährboden zu entziehen!

Diesen erneuten schweren Vorfall haben wir zum Anlass genommen um unsere Solidarität mit den Opfern neonazistischer Gewalt zu zeigen.
Die Demo ist in der Hinsicht als Erfolg zu werden, dass sich innerhalb von zwei Tagen Mobilisierung so viele AntifaschistInnen in Hartenstein eingefunden haben.
Völlig überfordert mit der Demo war hingegen der Hartensteiner Bürgermeister. Wenn man gegen rechts ist so sollte man auch was gegen links tun, war der O- Ton des Dorfvorstehers.
Ganz im Sinne bestehender Totalitarismustheorien wurde uns hier geantwortet. Das zuständige Ordnungsamt und ihre SchreibtischtäterInnen drückten uns gleich mal die Auflagen der am 11. Oktober in Zwickau stattgefundenen Nazidemo auf. So stand in den Auflagen u. A., dass das tragen von Uniformen, Fackeln und das rufen von menschenverachtenden und NS-Verherrlichenden Parolen usw. verboten ist.
Die ursprüngliche Route wurde mit dem abstrakten und völlig inakzeptablen Auflagenbescheid gleich mit gekürzt. So wurde uns verwehrt durch Hartenstein zu demonstrieren. Nicht einmal auf den Markt wollte Mensch uns lassen. Da dort angeblich Pflastersteine rumliegen würden. So blieb uns leider nur die Wahl, vom Bahnhof in Richtung Markt und wieder zurück zu laufen. Bis auf das unrechte Abfilmen durch team green verlief die Sponti ungestört, laut und kraftvoll. So konnten doch einige BewohnerInnen und AutofahrerInnen welche sich nicht versteckt hatten, unsere Anliegen wahrnehmen.

Wir werden es auch weiterhin nicht stillschweigend hinnehmen, dass es scheinbar keine Zivilcourage gegen Neonazis und ihren Umtrieben gibt.
Denn Ignoranz, Schweigen oder vielleicht sogar der Toleranz gegenüber neonazistischer Gewalttaten oder Aktivitäten führt letztendlich weiter zu einer sich ausdehnenden rechten Hegemonie.

Aufruhr und Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinderland!

Rechte Gewalt muss als solche thematisiert werden, ohne jeden Extremismusbegriff!

Für die die mit dem Extremismusbegriff nichts anfangen können. http://inex.blogsport.de