Archiv für November 2008

Erneut schwerer rassistischer Angriff auf Litvinov-Janov

[jW] Litvinov. An die 800 Neofaschisten haben am Montag wiederholt
versucht, eine überwiegend von Roma bewohnte Siedlung in Litvinov-Janov im
tschechischen Erzgebirge zu stürmen. Die rechtsextreme »Arbeiterpartei«
(DS) hatte eine Kundgebung unter dem Motto »Schluß mit den
Samthandschuhen« angemeldet, zu der Neonazis aus ganz Tschechien und laut
indymedia auch aus Deutschland mobilisierten. Nach der Kundgebung mit etwa
500 Teilnehmern marschierten die Rechten zu der von Roma bewohnten
Plattenbausiedlung, wobei sich laut Augenzeugenberichten immer mehr
Menschen anschlossen. Die Polizei, die mit rund 1000 Beamten im Einsatz
war, versuchte, die Siedlung abzusperren und vor den Rassisten zu
schützen. In der Folge kam es zu stundenlangen Straßenschlachten. Die
Polizei wurde mit Brandsätzen und Pflastersteinen angegriffen, und es
wurden mehrere Polizeiwagen in Brand gesetzt. Sieben Neonazis und sieben
Polizisten wurden verletzt, 15 Rechte in Gewahrsam genommen, meldete die
tschechische Nachrichtenagentur CTK am Dienstag.

Bilder aus Litvinov.
Bericht auf tschechisch mit Bildern und Video.

Die Geschichte einer angekündigten Hetzjagd

Bürgerkriegsähnliche Szenen spielten sich am 18. Oktober diesen Jahres in Litvinov-Janov im tschechischen Erzgebirge ab. Hunderte Rechtsextreme stürmten nach einem Aufmarsch eine Siedlung von Roma. Nur mit Mühe konnte die Polizei den Mob abhalten. Jetzt haben die Neonazis erneut eine Demonstration zum Romaviertel angemeldet.

Von Karl Kirschbaum, Prag

Die Stadt Litvinov, deutsch auch Oberleutensdorf, liegt am Fuße des böhmischen Teils des Erzgebirges. Der 18. November diesen Jahres war ein sonniger Samstag, ungewöhnlich warm, ein Tag für Spaziergänge und Familienausflüge. Doch nach Beschaulichkeit und Natur war an diesem Tag wohl niemandem. Und das lag weniger daran, dass landesweit die Bezirksparlamente gewählt werden sollten.

Die tschechische neonazistische „Arbeiterpartei“ (Dělnická strana) hatte übers Internet zu einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadt aufgerufen. Anschließend – so kündigte sie an – wolle sie den etwa drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernten „Zigeuner“-Stadtteil Janov aufsuchen und dort „für Ruhe und Ordnung“ sorgen. (mehr…)

Herschels reine Weste?

vom ARTe

Am Donnerstag dem 28.10.2008 wollte der aus Bad Schlema stammende Liedermacher
Tobias „Ludwig“ Herschel bei einem Bandcontest in Chemnitz teilnehmen.
Kurz zuvor wurde ihm jedoch die Teilnahme durch die VeranstalterInnen des Wettbewerbs untersagt.
Grund waren Informationen nach denen Herschel der Naziszene zuzuordnen sei. Darauf hin distanzierte sich Herschel von der „rechtsextremen Szene“.
„Deren Standpunkte und Gedanken“ könnte er „nicht mehr teilen“. In Folge dessen wird sich zeigen ob der Barde dann nicht mehr aktiv sein wird, für die NPD/JN und einschlägigen Organisationen a la Freie Kameradschaften, welche seine Nähe zu organisierten (Neo)Nazis zeigt. (mehr…)

70 Jahre nach der Reichspogromnacht. Kein Vergessen! Kein Verzeihen!

70 Jahre ist es her, als in Deutschland am 09. November 1938 Synagogen brannten, jüdische Geschäfte und Wohnungen überfallen, geplündert und zerstört wurden. Der Nazi-Terror demütigte, missbrauchte und ermordete Millionen Jüdinnen und Juden in ganz Europa.


Der 09. November 1938 war der Beginn der Umsetzung des industriellen Massenmordes der jüdischen Minderheit in Deutschland und ganz Europa. Im Verlauf der Pogrome wurden auf Anweisung des Gestapo-Chefs Heinrich Müller und seines Vorgesetzen Reinhard Heydrich etwa 30.000 Männer verhaftet und in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt.
Insgesamt mussten in den Tagen der Novemberpogrome über 400 Jüdinnen und Juden ihr Leben lassen. Doch diese Pogrome und die darauf folgende industriell organisierte Ermordung von Millionen von Menschen war nicht nur das Werk vereinzelter Nazis. Ohne die aktive und passive Unterstützung durch die deutsche Bevölkerung wäre die Shoa nicht möglich gewesen.

Wir sehen es als eine gesellschaftliche Verpflichtung, dass das Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors weit über die bisherigen Gedenkfeiern hinausgehen muss. Antisemitismus ist noch immer in der Gesellschaft fest verankert und äußert sich in unzähligen Straftaten jeglicher Art. Wir wollen aus diesem Grund nicht nur an die Opfer erinnern, sondern empfinden es als zwingend notwendig auch gegen die heutige Form von Antisemitismus und Antizionismus aktiv vorzugehen.
Wir stellen uns geschichtsrevisionistischen Positionen entgegen, die deutschen Täter_innen zu Opfern verklärt und wehren uns dagegen, dass Antisemitismus etwa in Form der Israelfeindschaft oder als verkürzte Kapitalismuskritik wieder salonfähig wird.

Wir treten ein für eine Welt ohne Antisemitismus! Deshalb beteiligen wir uns bundesweit an den Gedenkveranstaltungen und wollen auch mit eigenen Veranstaltungen und Aktionen einen Anstoß dazu geben, Antisemitismus und Antizionismus entgegen zu treten.

Quelle: BAK Shalom