Archiv für Januar 2009

Kundgebung am 24. Januar anlässlich des 64. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau

Los ging es gegen 14 Uhr nachdem der Aufsteller und der Pavillon mit Vekü aufgebaut waren. Von Beginn an waren ca. 60 Antifaschist_Innen anwesend. Los ging es mit dem ersten Redebeitrag zum jüdischen Leben in Annaberg, welcher inhaltlich auf dem Aufruf basierte. Tiefgründiger konnte Mensch sich mit den Informationen über das Schicksal der Jüdinnen und Juden Annabergs und Auschwitz auf dem Aufsteller befassen. Auch vorbeilaufende Passant_innen interessierten sich für die Dokumentation.
Nach kurzer Zeit ließen sich auch die ersten Annaberger Nazis blicken. Mit Glühwein und Fotohandy bewaffnet, versuchten die Nazis Kundgebungsteilnehmer_innen abzufilmen. Es gesellten sich noch mehr schaulustige Nazis hinzu. Als ein unbekanntes Flugobjekt in Richtung Volksgemeinschaft flog lief der „Nazikindergarten“ zum „Erzieher“, Herrn Schutzmann, petzen. Die Kundgebung ging weiter mit lecker veganem Essen und Redebeiträgen über: 13./14. Februar Dresden, Kritik des Extremismusbegriffs und das „Randphänomen“ Antisemitismus, sowie fetten Beats gegen Deutschland.
Während der gesamten Kundgebung führten wir eine Palituchumtauschaktion durch.
Die eingetauschten Antisemit_innenschals werden nun blau-weiß umlackiert.

Dank an Alle die uns unterstützt haben!

Wir werden uns auch weiterhin dagegen wehren, dass Antisemitismus etwa in Form der Israelfeindschaft, dem Mode Chic „Palituch“, oder als verkürzte Kapitalismuskritik salonfähig bleibt!


„Wer den Antisemitismus in seiner primitiven und elementaren Form nicht anprangert und zwar gerade deshalb nicht, weil er primitiv und elementar ist, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht dadurch den Antisemiten in aller Welt ein Zeichen heimlichen Einverständnisses gibt.“
Léon Poliakovs


In Erinnerung an die Jüdinnen und Juden aus Annaberg und der Annaberger Region, die ermordet wurden. Denen die in den Selbstmord getrieben wurden. Denen die durch Zwangsarbeit oder medizinische Experimente um ihr Leben kamen und denen deren Schicksal ungeklärt ist.

Inge Katzmann am 16. Mai 1933 in Annaberg geboren. Zusammen mit ihren Eltern und Großeltern, darunter Katzmann Daniel und Katzmann Hilde, wurde sie am 17. September 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. In Auschwitz ist Inge ermordet worden. Ihre Familie kehrte ebenfalls aus Auschwitz nicht zurück.

Richter Annie am 28. Dezember 1918 in Annaberg geboren. 1944 verstarb Annie während der Shoah.

Karger Ernst am 17 Juli 1903 in Annaberg geboren. Ermordet in Auschwitz am 22. Januar 1943.

Karger Ruth am 17. Oktober 1900 in Annaberg geboren. Am 29. Mai 1943 von Berlin aus in das KZ Theresienstadt deportiert und dort am 29 Juni 1943 ermordet worden.

Pick Lotte geb. Tuerk am 9. Mai 1895 in Annaberg geboren. Lotte ist in die Niederlande emigriert und seit Kriegsende verschollen.

Herzstein Erna geb. Jacoby am 26. September 1884 in Annaberg geboren. Nach ihrer Emigration in die Niederlande, ist Erna am 7.Mai 1943 in Sobibor oder Auschwitz ermordet worden.

Neumark Paul 11. Dezember 1896 in Annaberg geboren. In Auschwitz ist Paul am 20. Januar 1943 ermordet worden.

Cohn Bernd
am 26. Mai 1937 in Annaberg geboren. In Auschwitz ermordet.

Cohn Ruth am 30. August 1937 in Annaberg geboren. In das KZ Theresienstadt deportiert und am 11. Dezember 1942 in Auschwitz ermordet worden.

Gratz Lotte geb. Rosenbaum am 30. Juni 1899 in Annaberg geboren. Nach mehreren Aufenthalten, darunter in Breslau, ist Lotte in Auschwitz ermordet worden.

Büchler Fritz am 24. Januar 1893 in Annaberg geboren. Von Berlin aus am 18. März 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert und während der Shoah verstorben.

Büchler Hanna am 28. Dezember 1896 in Annaberg geboren. Hanna wurde direkt am 2. März 1943 nach Auschwitz deportiert und später dort ermordet.

Brandl Mathilde geb. Schidorsyk am 5. Februar 1879 in Annaberg geboren. Nach dem sie nach Berlin geflüchtet war, wurde Mathilde am 29. Mai 1943 in das KZ Theresienstadt deportiert. Im Juli 1943 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Fröhlich Sara geb. Weissbach 1898 in Annaberg geboren. Sara wurde in das Ghetto Stanislawow deportiert und wurde 1941 dort ermordet.

Nathansohn Hans am 11. Juli 1880 in Annaberg geboren. Er wurde am 5. September 1942 von Berlin aus in das Ghetto von Riga deportiert. Hans ist dort ermordet worden.

Lange Samuel am 5. August 1889 in Annaberg geboren. Samuel hielt sich während des Krieges in Breslau auf und wurde in Auschwitz ermordet.

Jost Herta am 21. Juni 1887 in Annaberg geboren. Herta wurde auch von Berlin aus am 1. November 1941 in das Ghetto Lodz in Polen deportiert und ist dort während der Shoah gestorben.

Meseritz Olga geb. Chanange am 5. Februar 1890 in Annaberg geboren. Vermutlich von Hamburg aus in das Ghetto von Riga deportiert. Sie verstarb während der Shoah.

Neumark Kurt am 26. April 1892 in Annaberg geboren. Kurt lebte in Essen und Düsseldorf. Nach der Deportation in das „Transitghetto“ Izbica, wurde er in das Ghetto Kransnystaw deportiert. Ermordet wurde er im KZ Lublin.

Ruschin Elsa geb. Besser am 30. Januar 1886 in Annaberg geboren. Von Berlin aus wurde Elsa am 2. März 1943 direkt nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet worden ist.

Salinger Milda
am 18. Juni 1890 in Annaberg geboren. Auch Milda wurde am 2. März 1943 von Berlin aus nach Auschwitz deportiert. In Auschwitz wurde sie ermordet.

Sielmann Paula am 3. Mai 1883 in Annaberg geboren. Paula hielt sich während des Krieges im polnischen Kamenitz auf und verstarb während der Shoah.

Aschner Bertha
wurde am 13. Juli 1942 von Chemnitz aus vermutlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Chanange Heinrich lebte bis zu der „Übernahme“ seiner Fabrik 1938 durch die Nazis in Annaberg. Ungeklärt ist ob er /Selbstmord beging oder von Nazis aus dem Fenster gestoßen wurde.

Fischer Josef geboren am 21. Mai 1871 in Teplitz. Seit Januar 1886 lebte er in Annaberg und wurde 1941 in das Chemnitzer Judenhaus verschleppt. Josef wurde vermutlich deportiert und umgebracht. Das Schicksal seiner Frau ist ebenfalls unbekannt.

Nordon Max flüchtete mit seiner Frau nach Berlin. Von da aus wurde Max nach Auschwitz deportiert, und dort ermordet.

Nordon Lotte flüchtete mit ihrem Mann nach Berlin. Von da aus wurde sie nach Auschwitz deportiert, und dort ermordet.

Rosenstein Isaak wurde zwischen dem 27. und 29. Oktober 1938 nach Polen deportiert und während der Shoah ermordet.

Rosenstein Hedwig Helene wurde zwischen dem 27. und 29. Oktober 1938 nach Polen deportiert und während der Shoah ermordet.

Rosenstein Anni Charlotte wurde zwischen dem 27. und 29 Oktober 1938 nach Polen deportiert und während der Shoah ermordet.

Kaplan Heinrich wurde in das KZ Theresienstadt deportiert und dort ermordet.

Stern Walter
wurde 1943 von Chemnitz aus in das KZ Theresienstadt deportiert und kam dort während der Shoah ums Leben.

Stern Judith
wurde 1943 auch von Chemnitz aus in das KZ Theresienstadt deportiert und kam dort während der Shoah ums Leben.

Heide Siegfried
wurde vermutlich in Auschwitz ermordet.

Werner Felix
wurde vermutlich in Auschwitz ermordet.

Werner Betty
geb. Heide wurde vermutlich in Auschwitz ermordet.

Rothschild geb. Heide wurde vermutlich in Auschwitz ermordet.

Quellen: Yad Vashem und „Juden in Annaberg im Erzgebirge“

Pressemitteilung zur Kundgebung am 24. Januar in Annaberg/B.

„Damit Auschwitz sich nicht wiederhole!“
„Initiative gegen Antisemitismus Erzgebirge“ ruft zu Kundgebung aus Anlass des 64. Jahrestages der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz auf.

Für Samstag, den 24.1.2009 ruft die „Initiative gegen Antisemitismus Erzgebirge“ zu einer Kundgebung aus Anlass des Jahrestages der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz auf. Am 27.1.2009 jährt sich zum 64. Mal die Befreiung von Auschwitz durch die sowjetischen Streitkräfte. Dieser Tag wird heute symbolisch als Tag der Opfer des Nationalsozialismus begangen.

Auch das jüdische Leben der Stadt Annaberg-Buchholz wurde durch den Nationalsozialismus weitestgehend ausgelöscht. 1933 rief der damalige Oberbürgermeister Dietze zu Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte auf. Es folgten Verhaftungen, Deportationen, Schändungen des jüdischen Friedhofes und der Synagoge.
Von wenig historischer Sensibilität zeugt der Fakt, dass sich der Naziladen „Phoenix“ heute im selben Gebäude auf dem Schulberg 3 befindet, wo 1897 der erste Betsaal der Israelitischen Religionsvereinigung zu Annaberg eingerichtet wurde.

Mit der Kundgebung in Annaberg-Buchholz soll an die grausame Vernichtung von Juden und Jüdinnen, von Sinti, Roma, Homosexuellen, KommunistInnen und SozialistInnen und allen anderen Opfern der deutschen Barbarei erinnert werden. Allein in Auschwitz wurden mindestens 1,1 Millionen Juden und Jüdinnen ermordet. Erst durch Intervention der Alliierten wurde der nationalsozialistische Terror gestoppt und somit die Vernichtung aller europäischen Juden und Jüdinnen verhindert.

Auch in der Gegenwart sind Antisemitismus und Rassismus in weiten Teilen der Gesellschaft verankert. Gedenken muss vor diesem Hintergrund praktisch werden. Der Widerstand gegen organisierte Nazis gehört genauso auf die Tagesordnung wie Sensibilität für und vor allem Widerspruch gegen Diskriminierungen und Geschichtsrevisionismus im Alltag.

„Wir sehen uns auch weiterhin in der Verantwortung, dem antisemitischen Denken und Handeln entschieden entgegenzutreten. Damit Auschwitz sich nicht wiederhole!“, so heißt es im Aufruf der Initiative gegen Antisemitismus.

Im Rahmen der Kundgebung am 24.1.2009, 14 bis 18 Uhr, wird es auf dem Marktplatz von Annaberg-Buchholz umfassende Informationen über die Geschichte des jüdischen Lebens in der Stadt geben. In Redebeiträgen soll vor allem auch auf antisemitische Denkweisen in der Gegenwart eingegangen werden. Erwartet werden die Hinterbliebenen von Adolf Diamant, Autor des Buches „Juden in Annaberg im Erzgebirge“.

Stellungnahme zu der Stellungnahme von „Pain in Chains“ 1

In unserem Beitrag „Dummheit, Deutschtümelei und verlogene Heimattradition*“
war nicht die Rede davon das „Pain in Chains“ „nationalsozialistische Texte singen“.
Wenn „Pain in Chains“ „keine HC Band“ ist, sondern sich „eher im Bereich Metalcore /
Deathcore“
sehen, ändert das nichts daran das, laut ZeugInnen der Frontmann am 27.10.2006 nach einem Konzert von der Band „Die Skeptiker“ bei einem versuchten Angriff auf eine Gruppe Punks am Annaberger Markt gegen Mitternacht mit unter den Angreifern war.
Des weiteren fand mensch bis vor kurzem noch auf der Internetplattform „you tube“ eben eins dieser besagten Videos. Auf diesem sah mensch den Sänger Bekleidet mit einem T-Shirt auf welchem „Revolution“ stand (Szeneshirt des NSHC, National Socialist Hardcore) .2
Sicherlich erkennt mensch solche Details nur mit bestimmten Hintergrundwissen, jedoch benötigt weder mensch, noch „die Antifa“ einen „weiteren Schulbesuch“ dazu.
Des weiteren scheint „Pain in Chains“ auch ohne der „Verleumdung,…,Dummschwätzerei“ der „Antifa“ bereits ein weniger politisch neutraler Ruf voraus zu eilen. Auf Intervention einer anderen Initiative, weigerte sich die Band „Backfire“ am Freitag den 14.11.08, mit „Pain in Chains“ aufzutreten.3 Willkürliche Anschuldigungen, wer dass wohl hätte „veranlasst“ waren erneut die Folge. In einen der Kommentare zu ihrer Stellungnahme gegenüber uns, steht:“In dem Sinne Sieg Heil“.4 (mehr…)