Archiv für Juni 2009

Neonazi-Konzert in Annaberg-Buchholz

Am 23. Mai fand in „Mitteldeutschland“ (de facto offenbar in Sachsen) ein NS-Blackmetal-Konzert mit zahlreichen einschlägigen Gruppen – darunter die bekannte deutsche Band „Absurd“ – statt. Im Vorfeld wurde vermutet, dass das Konzert im Club “Gleis 3″ (Inhaber: Björn Eichhorn/ Stev Lippold) in Annaberg-Buchholz durchgeführt werden soll. Ob das Konzert tatsächlich an diesem Ort stattfand, ist bis dato ungeklärt, interessanterweise postet aber etwa Hendrik Möbus, Betreiber des Neonazi-Labels “Darker than Black”, im “Myspace”-Gästebuch des “Gleis 3″ einen Konzertflyer für die Veranstaltung. Auch in der “Friends”-Liste des “Gleis 3″ ist Möbus mit seinem Label zu finden. Die Besitzer des Clubs beschwerten sich hingegen darüber, dass sie verdächtigt wurden, das Konzert werde bei ihnen stattfinden. Sie hätten nichts mit diesem Konzert zu tun.

Rund einen Monat nach dem Neonazikonzert soll nun laut einem in Neonazi-Kreisen kursierenden Konzertflyer – eben genau in jenem Club – ein Konzert mit der ukrainischen NS-Blackmetal-Gruppe „Kroda“ stattfinden. Trotz des Konzertaufrufes im Internet streiten die Betreiber des Clubs aber auch in diesem Fall jede Beteiligung ab. Laut Informationen aus Szenekreisen findet das Konzert aber sehr wohl im “Gleis 3″ statt.

Konzertflyer für das “Kroda”-Konzert im “Gleis 3″

Die Band „Kroda“ beschreibt ihre Musik als „Ertönen schrecklicher Schlachtrufe von arischen Kriegern Allfadr (Odin, Anm. fightfascism) und das wütende Gebrüll von arischer archetypischer wölfischer Natur“. In einem Interview meint „Kroda“-Frontmann „Eisenslav“ über die angebliche „jüdische Weltverschwörung“: „Es scheint dass nur die die zuviel TV sehen, es nicht sehen können. Es ist selbst für einen Blinden offensichtlich!“. Zum Ende des Interviews grüßt er mit „Arische Grüße! Wotan über alles!“

„Kroda“ treten regelmäßig bei Neonazikonzerten auf. Im April 2008 sollte die Band gemeinsam mit den NS-Gruppen „Absurd“, „Temnozor“ und „Sekhmet“ in Brno (Tschechien) auftreten, das Konzert wurde jedoch abgesagt. Im September 2008 trat die Band gemeinsam mit „Sunwheel“, „Kataxu“ und anderen in Prag auf. Zwei Monte später nahm man am NS-Festival „Kolovorot“ in der Ukraine teil. Im Frühjahr 2009 waren „Kroda“ gemeinsam mit der NS-Band „Temnozor“ in Finnland auf Konzert-Tour.

Neben „Kroda“ werden „Tyrant guests“ angekündigt, hinter diesem Begriff verbirgt sich offensichtlich die NS-Band „Absurd“, die auch als „Tyrants of German Black Metal“ bezeichnet wird.

Einer der Betreiber des “Gleis 3″, Björn Eichhorn, betreibt auch die Konzertagentur “Mephistopheles Concerts”, die jährlich das sogenannte “Fireblade Force Festival” in Lichtenstein veranstaltet. Auch bei diesen Konzerten treten regelmäßig Vertreter des rechtsextremen Flügels der Black Metal-Szene auf, so etwa im Jahr 2008 die Neonazi-Bands “Satanic Warmaster” aus Finnland und “Silva Nigra” aus Tschechien.

Quelle: figtfascism

Kritische Dokumentation zur Stadt –und Gemeinderatswahl vom 7. Juni 2009

„Wahltag ist Zahltag“ heißt es bei der NPD. Ausgezahlt hat es sich, da die Nazis jetzt in 10 Stadt –und Gemeinderäten mit ihren Kandidaten in den kommunalen Gremien des Erzgebirgskreises teilnehmen können.
Allerdings dahingehend nicht, dass sie dort, wo bereits NPD-Räte 2004 gewählt wurden, Stimmenverluste erfahren musste. Auch in Jahnsdorf der „Heimatgemeinde“ von Mario Löffler dem Vorsitzenden des Kreisverbandes reichten die Stimmen lediglich für ihn. Seine vier anderen Mitstreiter um ein Mandat gingen leer aus. In Annaberg-Buchholz erhielt die NPD 5,2%. Das sind minus 3,8% zu den letzten Wahlergebnissen (2004). In der Nazihochburg Großrückerswalde errangen die Nazis mit 13,0 % 2 Mandate. 2004 erhielten damals die Kandidaten, darunter Markus Szallies, der Inhaber des Naziladens „Phönix“, noch 15,6%. Aus CDU, FDP und NPD setzt sich der Gemeinderat erneut zusammen.

Gleiches zeichnete sich bei den Republikanern in Burkhardtsdorf ab. Aus zwei Gemeinderät_innen wurde einer. Ein Anzeichen dafür, dass die REP langsam dahingehen. Sicher vielleicht auch deswegen, da Seifert verstärkt mit der lokalen NPD, auch zu den Kreistagsitzungen, zusammen arbeitet. Somit kann mensch dann auch die Wahlkampfunterstützung Seiferts, der ehemalige Landesvorsitzende der REP Sachsen, als langsame Anpassung zur NPD-Politik betrachten. Ob wohl er diese immer ablehnte.
Seifert war auch auf einer von Nazis organisierten Veranstaltung am 7. April 2007 in Chemnitz. Als am 5. März diesen Jahres fast 300 Nazis aller Couleur durch Chemnitz marschierten, und den „deutschen Opfern“ gedachten, war Seifert ebenfalls im Demonstrationszug .
Im Gemeinderat wurde teils fernab jeglicher Realitäten und Gesetzgebungen agiert. So zum Beispiel forderte Gaby Kägebein, die Ex-Gemeinderätin der REP, im Bezug auf Kindergartenplätze für Kinder Asylsuchender: „Kindergärten nur für Deutsche Kinder“.

Der wieder gewählte Annaberger Stadtrat Rico Hentschel der NPD, macht durch sein ruhiges und eher unauffälliges Verhalten bei den Ratssitzungen auf sich aufmerksam. Er engagiert sich intensiv für den Erhalt von „gesunden Bäumen“ und der „…Verjüngung des Baumbestandes besonders im stark bebauten Innenstadtbereich.“ Denn Umweltschutz ist bekanntlich bei Nazis Heimatschutz. Vertreten ist er in den Ausschuss Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und (eben) Umwelt.
Auch gegen vermeintliche politische Gegner_innen ist er aktiv. Für die Haushaltssitzung 2007 schlug er unter anderem vor abzuwägen ob den der Verein „Alte Brauerei e.V.“ weiter „…mit einem 5-stelligen Eurobetrag zu fördern.“ sei. Weiterhin argumentierte er “Falls dies für notwendig erachtet wird, läge es nahe, bei den nunmehr annähernd wöchentlich stattfindenden Konzerten, die Einnahmen zu überprüfen und diese mit den im Innenstadtbereich durch die heimischen und nicht wenigen auswärtigen Besucher (vornehmlich linksextrem-anarchistisch geprägt) der im Rahmen dieser Veranstaltungen im Stadtgebiet verursachten Schäden (Bepflanzungen ausreißen, Zerlegen des Straßenpflasters, Flaschenglasbruch, an Häuser urinieren, im Stadtpark Unrat verbreiten etc.) mit dem Aufwand zur Beseitigung derartiger Nebeneffekte von Alkohol-(Drogen-)genuß zu verrechnen.“ Schlussendlich forderte Hentschel die “…frei werdende Mittel anderen gemeinnützigen, wirklich der Gemeinschaft dienlichen Vereinen zu Gute kommen zu lassen…“. Erst nach dem Auszählungsverfahren zeigt sich ob er wieder in einen Ausschuss sitzen wird.

Wir fordern eine kontinuierliche und kritische inhaltliche Auseinandersetzung mit den Nazis, das betrifft auch die DSU, mit ihrem menschenverachtenden Weltbild. Die Abgeordneten der demokratischen Parteien müssen die Aktivitäten der Nazis im Stadt –oder Gemeinderat und im Kreistag genau öffentlich machen, sowie diese dokumentieren. Nur so ist es möglich ihr vorgebliches Engagement, im Hinblick auf kommende Wahlen, zu entlarven.

Susi Heselich und Daniel Spielvogel für das Antifa Recherche Team erzgebirge

Weitere Informationen zu den (nicht) gewählten Kreisrät_innen gibt es hier!

In folgenden Orten ist der NPD der Einzug in die Stadt –und Gemeinderäte gelungen:

Annaberg-Buchholz: 5,2% -3,8% 1 Mandat (Rico Hentschel)

Bad Schlema: 6,0 % 1 Mandat (Stefan Hartung)

Gelenau: 7,1 % 1 Mandat (David Schröer)

Großrückerswalde: 13,0% -2,6% 2 Mandate (Dennis Neubert und Sandrino Zießler)

Jahnsdorf: 9,4% 1 Mandat (Mario Löffler)

Lößnitz: 5,6% 1 Mandat (Jan Riemann)

Olbernhau: 4,3%1 Mandat (Jürgen Kaden)

Schneeberg: 4,2% 1 Mandat (Rico Illert)

Zschopau: 5,7% 1 Mandat (Joachim Schubert)

Nicht gelungen ist der Einzug in:

Auerbach 4,9%

Geyer 5,2%

Lauter 4,0%

Seiffen 3,1%

Thalheim 3,9%

Im Zschopauer Ortsteil Krumhermsdorf durfte Schubert nicht kandidieren.

REP:

Burkhardtsdorf 7,8% -5,4% 1 Mandat (Matthias Seifert)

Honi soit, qui mal y pense.

gefunden auf Indymedia

Naziwahlk(r)ampf in Annaberg-Buchholz

Naziwahlk(r)ampf Annaberg-B. – the next level

20.6. Antifaschistische Demonstration in Freiberg

 progress in mind[s]

Wider den deutschen Zuständen – Für eine emanzipatorische Gesellschaft

Antifaschistischen Demonstration und Kundgebung
20.06.09 – Freiberg – Bahnhof – 13 Uhr

Am 01. Mai marschierten über 350 Nazis durch Freiberg und verbreiteten dabei ihre menschenverachtende Ideologie. Als wäre das nicht Grund genug für eine inhaltliche Auseinandersetzung, sahen Stadt und Bürger_innen vor allem den entstandenen „Imageschaden“ als Problem. Dass Neonaziaufmärsche nur Symptome tiefer liegender gesellschaftlicher Ursachen sind, wurde völlig verkannt.
Dabei sind gerade autoritäres Gedankengut, Anpassungszwang, Rassismus, Antisemitismus und der positive Bezug auf die Nation in den Köpfen der meisten Menschen allgegenwärtig und liefern Anknüpfungspunkte und Nährboden für Nazis und ihre Ideologie. In Freiberg stellt vor allem der Laden „Waffen Army Shoes“ ein aktuelles Problem dar. Offen werden dort seit Jahren rechte Propagandaartikel und vor allem Kleidung der Marke „Thor Steinar“ verkauft – ein breiter Protest blieb bis heute aus. Wir wollen, dass all das als Problem wahrgenommen wird. Für die Veränderung der gesellschaftlichen Zustände braucht es aber eine Veränderung im Bewusstsein – „progress in minds“ sozusagen. Unsere Kritik richtet sich daher sowohl gegen die Ideologie der Nazis als auch die der bürgerlichen Gesellschaft, die Nationalismus, Antisemitismus und dergleichen mehr immer wieder aufs neue reproduziert.
Auf geht’s also am 20.6. um 13 Uhr zur Antifa-Demo in Freiberg. Treff ist am Bahnhof mit anschließender Party-Kundgebung auf dem Schlossplatz!

Antifaschistische Gruppe Freiberg, Mai 2009

mehr Infos, Mobi-Stuff und den vollständigen Aufruf gibt es hier

Veranstaltungstipp

HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Eine Vortragsreihe zur Kritik von Staat und Nation.

Seminarreihe in der Reitbahnstraße 84

Es ist 2009 und Deutschland feiert sich wieder einmal selbst.
In unzähligen Jubiläumsveranstaltungen wird wahlweise die Gründung der BRD 1949, die Wiedervereinigung 1989 oder ganz allgemein die deutsche Nation bejubelt. Denn darin sind sich PolitikerInnen, Medien und Zivilgesellschaft weitgehend einig: auf 60 Jahre Demokratie und soziale Marktwirtschaft im Westen und friedlich aufbegehrende Ostdeutsche, welche 1989 für Freiheit und Nation auf die Straße gingen, könne man stolz sein. Getrübt wird die Feierlaune gegenwärtig höchstens durch die Hiobsbotschaften über die Wirtschaftskrise, aber auch dagegen sollen die Deutschen mit ihrem Einsatz für Arbeit den Standort retten. Anstatt diesen Aufruf zurückzuweisen, schwenken sie gerne Fähnchen und schreien nach Vater Staat. Wie kann in Anbetracht von sozialen Kürzungen und schlechten Fußballs der Ruf nach Deutschland so laut sein?
Für das gemeinsame Projekt Nation stehen Deutsche gegen innere und äußere Feinde zusammen. Gegen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken; gegen Banker, die „uns“ diese Finanzkrise eingebrockt hätten; gegen andere Nationen, die „unseren“ Erfolg schmälern wollten. Und nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 mischt dieser Staat jetzt auch wieder militärisch auf der Weltbühne mit, indem z.B. die deutsche Marine vor dem Horn von Afrika „Piraten“ jagt. Auch deshalb will in diesem Jahr, in dem sich der Beginn des Zweiten Weltkrieges und des barbarischen Vernichtungsfeldzuges Nazideutschlands zum 70. Mal jährt, am sogenannten Ende der Geschichte niemand mehr etwas von deutschen Verbrechen hören. Der gelebte Schlussstrich ist aber unserer Auffassung nach kein Bruch mit Ideologien des Nationalsozialismus, sondern lediglich der Versuch, einem neuen alten Nationalbewusstsein Raum zu geben.
Wir können bei so viel Selbstverherrlichung und Nationalstolz nur den Kopf schütteln.
In dieser Vortragsreihe soll am Beispiel Deutschlands aufgezeigt werden, wie Nation & Staat mit anti-emanzipatorischen Ideologien, Geschichtsrevisionismus und notwendigerweise mit einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft zusammenhängen.

Weitere Informationen hier!