Archiv für September 2009

Stadt Hohenstein-E. verhindert Denkmal für Opfer von rechter Gewalt

Pressemitteilung des Bündnis „Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts“ zur aktuellen Entwicklung:

Am zweiten Oktober jährt sich zum zehnten Male die Ermordung von Patrick T durch Nazis in Oberlungwitz. In Hohenstein-E. entwickelte sich damals der Konflikt, welcher zur Tötung führte. Ende August hatte sich ein Bündnis gegründet, welches sich zum Ziel gesetzt hat ein Denkmal zu errichten. Es sollte zur Erinnerung an Patrick und zur Mahnung daran dienen, dass solch eine Tat nie wieder geschehen darf. Der Vorschlag des Bündnis es in Hohenstein-E. zu errichten wurde von der Stadt abgelehnt.
Die persönliche Haltung des jetzigen Oberbürgermeisters E. Homilius, der schon vor zehn Jahren dieses Amt inne hatte, spielt bei der Verhinderung eine maßgebliche Rolle.

Die Haltung des Oberbürgermeisters wurde schon im ersten Kontakt mit dem Bündnis klar: Er möchte dieses Denkmal hier nicht haben. Begründet wurde dieses mit allesamt fadenscheinigen Ausflüchten. So bezweifelt er unter anderem, dass es sich hier um eine Tat handele, die durch Nazis begangen wurde. Die Täter kamen allesamt aus dem Umfeld der HooNaRa (Hooligans-Nazis-Rassisten). Den gleichen Standpunkt nimmt die zur Zeit in Chemnitz stattfindende Ausstellung Blickwechsel ein: Patrick T. wird als Opfer von rechter Gewalt hier aufgezählt!
In einem Schreiben des Verwaltungsausschuss stellte der Oberbürgermeister noch einmal in aller Deutlichkeit dar: Der Verwaltungsausschuss und Er positionieren sich gegen dieses Denkmal.
Scheinbar angestachelt durch die verbreitete negative Atmosphäre sah sich die Fraktion der CDU, der Homilius angehört, zu eine Beschluss genötigt, sich von einer Demonstration am 3.10. zu distanzieren. Diese sollte anlässlich der Errichtung des Denkmals einen würdigen Rahmen bieten. Legitime Demonstrationsmittel werden in einem Antrag der CDU-Fraktion als Marschmittel von Radikalen dargestellt und offenbaren die eigentliche Stossrichtung: Ablenken, Dämonisieren und Diskreditieren. Ein Verständnis von demokratischen Meinungsäußerung in Form einer Demonstration scheint daher die CDU als auch der Großteil des Stadtrates nicht zu verstehen: Einzig eine Gegenstimme und drei Enthaltungen besiegelten den Beschluss.
Was auf der Strecke bleibt ist die Tatsache, dass vor zehn Jahren ein Mensch ermordet wurde und sich immer noch keine_r dafür interessiert aus welcher Motivation heraus dies geschah.
Besonders erschreckend ist die Lage für Bekannte von Patrick T.. Sie sahen sich nicht in der Lage in Anbetracht der Reaktionen in der Bevölkerung sich zur Thematik öffentlich zu äußern. Für uns ist dies ein nicht haltbarer Zustand, der schon alleine kritikwürdig ist. Um diesen Menschen eine Plattform zu bieten als auch um diese Tat als ein mahnendes Beispiel für menschenverachtende Ideologien anzuführen, wird die Demonstration am dritten Oktober – leider ohne Denkmal – stattfinden.

Courage zeigen! – 03.10. Antifa Demo in Hohenstein-Ernstthal

Aufruf des Bündnis Erinnern, nachdenken, handel. Mit Courage gegen rechts.

Der Flyer

Weiter Informationen dazu hier.

Kurze Nachbereitung über den Landtagswahlkampf der Nazis im Westerzgebirge

Noch einmal

Trotz des Stimmenverlustes von 3,6 Prozent ist der NPD mit 5,6 Prozent der abgegebenen Stimmen der Einzug in den sächsischen Landtag wieder gelungen. Dass es der NPD noch nie gelungen war für eine zweite Legislaturperiode in ein Parlament einzuziehen, zeugt von einem historischen Ereignis. Der sich auf dem neunten Platz der NPD-Landesliste befindliche Mario Löffler ist durch das nicht eingetroffene, angestrebte Ergebnis von 10+x nicht in der Landtagsfraktion vertreten. Auch seine anderen vier Mitstreiter aus dem Westerzgebirge, die Direktkandidaten Rico Hentschel, Rico George, Ronny Reicher und Stefan Hartung konnten nicht einziehen. Es bleibt ihnen aber noch das Amt als Kreisrat und außer George, das als Stadt- bzw. Gemeinderat, erhalten.

Widerstand

Mit unzähligen Wahlplakaten und ganzen plakatierten Straßenzügen war die NPD optisch am stärksten vertreten. „(…)Werbung und Präsenz in allen Orten sind unerlässlich. Motto will heißen: Kein Weg führt an der NPD vorbei. (…) aus eigener Kraft in jeder Stadt, Gemeinde, dem kleinsten Nest in aller Munde sein.“ ließ Rico Hentschel verkünden. Geschafft haben sie es jedoch nicht! Viele Plakate wurden entfernt, zerstört oder „verschönert“. In Bärenstein mussten die Nazis ihre an den Oberleitungen angebrachten Wahlkampfpappen wieder abnehmen. Haben sie doch gerade in Bärenstein vergeblich versucht Stimmen zugewinnen. Eine „Bürgerwehr“ sollte her „ (…) für ein sichereres Leben und Arbeiten im Grenzgebiet zu Böhmen! (…)“. In einem Brief soll der Ortsvorsteher aus Bärenstein, Holger Apfel, mitgeteilt haben, dass er und seine Gemeinde eine „Bürgerwehr“ nicht wollen. Eine Ohrfeige für die NPD?


Tears from Krauts

Fast immer sind mit im (Nazi-)„Plakatiertrupp“ Mario Löffler und Ronny Reicher. Als diese in Schwarzenberg beim Aufhängen ihrer Wahlkampfpappen durch fünf Antifaschist_innen wohl gestört wurden, schickte Löffler Reicher mit den Worten „Ronny mach mal“ auf die Antifas los. Einer der beiden angreifenden Nazis ging mit einer Mistgabel auf die Antifas los. Diese konnten ihm mit Pfefferspray entgegentreten. Löffler soll sich indes auf der Ladefläche von Reichers Transporter verkrochen haben. 1
Auch die Infostände, die erst kurz vor dem Wahlsonntag präsent waren, wurden nur mäßig von Passant_innen besucht.


Nazigegenaktivitäten

In manchen Orten, darunter auch Lugau und Oelsnitz/E., wurden Wahlplakate anderer Parteien mit Naziaufkleber oder Rudolf Heß-Plakaten beklebt. Mit gesprühten Sprüchen, wie „Die Demokraten bringen uns den Volkstod!!! Deutsche, Wehrt euch dagegen!“ machten die „Freien Kräfte“ ebenfalls auf sich aufmerksam. Diese hier genannten Aktionen sind den „Nationalen Sozialisten Erzgebirge“ zuzuordnen. Nicht nur die Handschrift der Täter_innen spricht dafür. Auch Udo Pastörs beteiligte sich an der Störung des Wahlkampfes der Die Linke. In Oelsnitz/E. stellte er sich mit einem NPD-Plakat vor den Infostand der „Die Linke“ und versuchte somit diesen zu blockieren.

„Badetag“?

Am Freitag dem 28. August fand dann als Abschluss des Wahlkampfes eine Veranstaltung mit Holger Apfel und Frank Rennicke in Aue statt. Doch der Kreisverband hatte mit einer in „letzter Minute“ angekündigten Kundgebung auf dem Annaberger Markt geworben. Besucher_innen der NPD-Veranstaltung, welche nicht ins Wasser viel, sollen in der benachbarten Affalterer Jugendherberge gemeinsam übernachtet haben.
Außer von vereinzelten Plakaten der REP war vom Wahlkampf dieser rechten Partei nichts weiter wahrnehmbar.

Alles in allem kein Grund zum Feiern! Denn mit oder ohne NPD und anderen rechten Parteien bleiben Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichheitsideologien tief in der Gesellschaft verankert.

Autonome Antifa Westerzgebirge September 2009

  1. Gedächtnisprotokoll welches uns anonym zugesendet wurde[zurück]

Lichtenstein in Sachsen: Aufmarschgebiet brauner „Schwarzmetaller“?

Am 09. und 10. Oktober soll im Club „Uni“ (betrieben von Dieter Friedl) in Lichtenstein (Sachsen) wieder das sogenannte „Fireblade Force“-Blackmetal-Festival über die Bühne gehen. Auch heuer werden – wie es mittlerweile schon Tradition ist – die Wünsche der Neonazis unter den BesucherInnen befriedigt. Weiterlesen

Solidarität mit den von Abschiebung bedrohten Roma!

Im Juli dieses Jahres hat das deutsche Innenministerium mit der Republik Kosovo die „Zurücknahme“ von als „überflüssig“ empfundenen kosovarischen Flüchtlingen vereinbart. Bis zu 24.000 Menschen, unter ihnen etwa 10.000 Roma, sollen bis Ende des Jahres abgeschoben werden. Unter den Augen der KFOR-Soldaten sind Ende der 1990`er Jahre zehntausende Roma von den nationalistischen UÇK-Banden gewaltsam zur Flucht gezwungen worden, insgesamt haben in jenen Jahren 150.000 Roma den Kosovo verlassen müssen. Diejenigen, die blieben, sind etwa in Lagern der UNHCR auf mit Blei, Cadmium und Quecksilber verseuchten Industriehalden einquartiert worden. Bis heute leben sie in ständiger Angst vor erneuten Pogromen in von der Majoritätsbevölkerung abgegrenzten Armutsenklaven, nahezu hundertprozentig vom legalen Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Anfang des Jahres 2008 gab del Ponte, frühere Den Haager Anklägerin Milošević, zu, dass ihr bereits 1999 leidlich viele Beweise vorlagen, dass bis zu 400 Menschen, allen voran Roma, von der UÇK zum Zwecke des Raubes von Nieren und anderen Innereien verschleppt worden sind.

Doch nicht nur im Kosovo schlägt der „antiziganistische“ Mob zu. In Ungarn etwa ermordete eine faschistische Organisation, die sich ein „von Parasiten befreites Ungarn“ ersehnt, in den vergangenen 18 Monaten sechs Roma (Vgl. „Jungle World“, 10.10.2009). Die unbändige Angst des Nationalisten vor seiner eigenen Überflüssigkeit lässt ihn in der Krise seine identitäre Bande mit Staat und Nation nun noch heftiger einklagen, indem er jene ächtet, jagt und die ärmliche Hütte in Brand setzt, auf die er seine eigene Überflüssigkeit und Asozialität projiziert. Und der Staat als Garant der Einheit der kapitalisierten Gesellschaft entzieht nicht erst in der Krise kapitaler Vergesellschaft und sozialer Integration, jenen das Recht auf freien Aufenthalt, die keine produktive Funktion in der Produktionsgemeinschaft glaubhaft machen können. Hierbei ist nach wie vor die Eigenschaft des „Autochthonen“ unentbehrlich, um unaufkündbar mit dem Standortkollektiv identifiziert zu werden – eine sich fortwährend ratifizierende, lediglich seicht modifizierende Klausel im nationalen Pakt zwischen Elite und Mob.

Zwei Jahre nach der „Deutschen Einheit“ hatte eine deutsche Trabantenstadt, hatten hunderte von auf Selbstverwertung bedachte, „überflüssige“ Staatsbürger_innen, mehrere Tage und Nächte an den zum Pogrom ausersehenen absolut Überflüssigen die nationale Versöhnung erprobt. Auf die asylsuchenden Roma, die in Rostock-Lichtenhagen dem Brandmord entkamen, konnten die Deutschen ihre Ungleichheit projizieren, um sich selbst wieder als Gleiche, als Artverwandte einer unteilbaren Nation zu halluzinieren. „Der Spiegel“ warf die Brocken hin, an dem das Gefühl sich nährte, jene barbarische Anti-Nation zur zivilisierten deutschen Nation gefunden zu haben, deren antideutscher Barbarei sich zu erwehren sei: Die „Dünkelhäutigen“, die „bettelnd durch die Straßen“ ziehen, statt zu malochen oder in der arbeitsfreien Zeit den Rasen zu stutzen. Ob sie nun „betteln“, „stibitzen“ oder die nachbarschaftliche Eintracht der Deutschen „tyrannisieren“: sie, die „Roma und Sinti“, „wecken Aggressionen“ („Der Spiegel“, 7.9.1992). Niemand geringeres als Helmut Schmidt, der später zum „Gewissen seiner Nation“ geadelt worden ist („Die Zeit“, 11.12.2008), log den Pogrom in Notwehr um: Man dürfe aus dem „tausendjährigen“ Deutschland keinen „Schmelztiegel“ machen, ansonsten „entartet“ die nationale Gemeinschaft und „wenn es irgendwo Ärger gibt“ – etwa „über de facto vierzig Prozent Arbeitslosigkeit“ unter den volkswirtschaftlich Überflüssigen – „bricht sich die Frustration irgendwo Bahn und endet in Gewalt“ („FR“, 12.9.1992). Und der damalige christdemokratische Innensenator Berlins, Dieter Heckelmann, teilte seine Überzeugung mit, dass in Rostock sich nicht der nationale Wahn, „sondern der vollauf berechtigte Unmut“ über den vermeintlich organisierten Asylbetrug der Roma geäußert habe (z.n. „Die Zeit“, 6.10.1992). Einen Monat nach dem Lichtenhagener Pogrom drängte die deutsche Politik das rumänische Regime dazu sich zu verpflichten die „zurücküberstellten“ Roma-Flüchtlinge aufzunehmen.

Am 28. September steht in Düsseldorf die erste zentrale Sammelabschiebung von Roma in den Kosovo an. Auch der niedersächsische Innenminister drängt darauf die 4.000 Roma-Flüchtlinge aus seinem Standort-Gehege zügig abzuschieben. Die Abschiebung von vor Pogromen geflüchteten Menschen ist bereits Skandal genug; dass dabei Menschen betroffen sind, auf denen, auserkoren zur nationalen Verschiebungsfläche, fortgesetzt eine die Wirtsgemeinschaft schröpfende, pathogene Kollektivität projiziert wird, macht den Skandal zu einem spezifisch deutschen. Zur Erinnerung: Mehrere hunderttausend Roma und Sinti sind im deutschen Nationalsozialismus ermordet worden.

Solidarität mit den betroffenen Roma und allen anderen Menschen!
Stoppt die Abschiebungen!

Nähere Informationen hier. Verwiesen ist des weiteren auf eine Petition der VVN/BdA und des Flüchtlingsrats.

Cosmoproletarian Solidarity, 17. September 2009

Ladenschluss-Bündnis gegründet: Demonstration am 19. September

Pressemitteilung des Aktionsbündnis gegen den Naziladen »The Last Resort« vom 01. September 2009

In den vergangenen Wochen hat sich in Zwickau ein Aktionsbündnis gegen den Naziladen »The Last Resort« in der Kreisigstraße in Zwickau gegründet. Das Aktionsbündnis schloss sich zusammen, um mit unterschiedlichen Aktionen auf den Laden selbst, die bei Neonazis beliebte Kleidermarke „Thor Steinar“ und neonazistische Alltagskultur allgemein, aufmerksam zu machen. Das Ziel der Kampagne „Ladenschluss Jetzt!“ wird unterstützt durch eine Vielzahl von regionalen Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen. In den nächsten Wochen und Monaten wird es verschiedene Aktionen zur Thematisierung des Ladens geben. Das Ziel aller Aktivitäten wird dabei sein, dass der Naziladen „The Last Resort“ nicht mehr ungestört den Alltagsbedarf für den neonazistischen Kleiderschrank verkaufen kann und schlussendlich geschlossen wird.
„Thor Steinar“ ist die derzeit beliebteste Bekleidungsmarke von Rechten und Neonazis. Sie findet sich auch im Sortiment des Naziladens „The Last Resort“. Das Geschäft wurde von Ralf Marschner eröffnet, welcher aus dem Umfeld des Nazi-Netzwerks „Blood & Honour“ stammt. Der Name des Ladens ist eine Anlehnung an den Londoner Skinhead-Szeneladen „The Last Resort“. Anfang der 80er Jahre hatte dieser als Ausgangspunkt von „Blood & Honour“ einen großen Einfluss auf die Radikalisierung der internationalen Neonazi-Szene. Während sich andere Bekleidungsgeschäfte mit „Thor Steinar“-Sortiment eher in einer Grauzone bewegen, sind die Intensionen des Zwickauer Exemplars völlig eindeutig.

In den letzten Jahren machte das Geschäft durch den Verkauf verbotener Nazi-Devotionalien wiederholt auf sich aufmerksam. Die in rechten Kreisen beliebten Kleidungsmarken „Barstool Sports“ und „Brachial“ gehen ebenfalls auf den Begründer des Ladens, Ralf Marschner, zurück und finden sich dort bis heute. Seit mehreren Jahren wird das Geschäft von einem neuen Eigentümer geführt; an der inhaltlichen Ausrichtung änderte dies nichts. Es ist davon auszugehen, dass Einnahmen aus dem Geschäft teilweise zurück in die rechte Szene fließen. Die überragende szeneinterne Bedeutung wurde deutlich, als sich Ende 2007 spontan 120 Nazis in der Kreisigstraße einfanden, um „ihren Laden“ gegen vermeintliche Angreifer zu verteidigen.

Doch über 10 Jahre sind uns genug! Eine öffentliche Debatte führte Anfang Juli 2009 dazu, dass die Eröffnung eines Geschäfts der Firma „Brachial“ in der Zwickauer Innenstadt verhindert werden konnte. Diese Entwicklung stimmt uns optimistisch! Denn auch diese Kleidungsmarke kommt aus der Neonazi-Szene und wird bevorzugt in dieser getragen. Als Auftakt der Kampagne ist eine Demonstration am 19. September in Zwickau angemeldet.

Weitere Informationen dazu hier!

Erinnern, nachdenken, handeln. Mit Courage gegen Rechts.

Aufruf zur Demonstration am 03.10.2009 in Hohenstein-E. zum Gedenken an Patrick 02.02.1982-02.10.1999 und allen Opfern rechter Gewalt.

„Einige Jugendliche, die sich nicht der rechten Szene in Limbach anschließen wollen, werden seit über einem Jahr von rechts orientierten Jugendlichen bedroht und zum Teil auch körperlich verletzt“
Manuela Weis in Freie Presse / Chemnitz – 21.10.2008

„Opferberatung: Mehr rechtsextreme Angriffe
Verein registriert im Mai zunehmende Neonazi-Übergriffe zwischen Brand-Erbisdorf und Zwickau – Jugendlicher mit Eisenstange schwer verletzt“
Freie Presse / Freiberg – 19.6.2009

Immer wieder erscheinen solche oder ähnliche Meldungen täglich in den Zeitungen und zeigen die konkrete Ausprägung des menschenverachtenden Weltbildes von Nazis. Leider verblassen im Angesicht dieser täglichen Meldungen die Erinnerungen über Taten, die ganz in der Nähe passiert sind. So jährt sich am 2. Oktober diesen Jahres die Ermordung von Patrick in Oberlungwitz.
Wir möchten mit diesem Bündnis erreichen, dass die Erinnerung an ein Opfer von Nazigewalt nicht weiter in Vergessenheit gerät.

Doch was war im Oktober 1999 passiert?

Am 1.Oktober sollte im Jugendclub „Off is“ das „Zweite 99er Punkterfestival“ in Hohenstein/E. stattfinden. Es war schon des Öfteren zu Drohungen und Übergriffen von bekennenden Nazis gekommen, die sich meist in der gegenüber liegenden Diskothek „La belle“ trafen. Gleiches geschah auch an diesem Tag.
Doch unbeirrt fing das Konzert dann an und die Besucher_innen pogten ausgelassen. Gegen 23:00 sollten dann „Los Invalidos“ spielen. Eine Band, die vor ihnen gespielt hatte, war gerade auf dem Weg nach Hause und Mitglieder dieser bemerkten einen Nazi-Mob, kommend aus Richtung Bahnhof. Sie riefen mehrmals die Polizei. Das Publikum tanzte nichts ahnend weiter. Vor dem „Off is“ fingen die Nazis an, mit Schlagstöcken und Baseballschlägern bewaffnet, Besucher_innen zu attackieren. Ergebnis war, dass 15 Punker_innen ins Krankenhaus mussten und die Polizei viel zu spät ankam. Als die Beamt_innen vor Ort waren, behandelten sie die Punks, die sie über das Geschehen informierten, abfällig und nahmen zur Überraschung der Besucher_innen erst einmal alle in Gewahrsam, nachdem die Nazis schon abgezogen waren. Nach etwa einer Stunde wurden die Festgenommen nach und nach wieder freigelassen und wurden weiterhin von Nazis bedroht, welche sich nach wie vor in der Nähe aufhielten.
Patrick und sein Freund gingen gegen 3:30 Uhr zu Fuß nach Hause. Auf dem Weg durch Oberlungwitz wurden sie dann angegriffen. Michael O. und Thomas W. prügelten minutenlang auf ihn ein. Auch Nico M. soll auf Patrick mit eingeschlagen haben. Um auszuschließen, dass ihr Opfer simulierte, zertrümmerten die Täter mit einem Billardqueue seine Kniescheibe. Patrick hatte keine Chance und schrie vor Schmerzen. Anwohner_innen sagten später aus, sie hätten die Schreie für Bauarbeiten gehalten.
Patrick hatte noch versucht zur Straße zu kriechen, nachdem seine Peiniger von ihm abgelassen hatten. Mit schweren Verletzungen, die im Prozess 17 Zeilen brauchten um aufgezählt zu werden, schleppte er sich noch ein paar Meter. Er wurde am Morgen gegen 7:15 Uhr gefunden und ins nächste Krankenhaus geflogen, wo er in den Mittagsstunden seinen schweren Verletzungen erlag.
Die Täter: Nico N. (24) tätig bei der Chemnitzer „Haller-Security“ mit offenbaren Kontakten zur berüchtigten Gruppierung „HoNaRa“ (HooligansNazisRassisten); Michael O. (23), laut psychologischem Gutachten der Bundeswehr „auffällig wegen aggressivem und gewalttätigem Verhalten“, wurde wegen „Anpassungsstörungen“ vorzeitig aus dem Wehrdienst entlassen;
Thomas W. (21) ein durchtrainierter 90 Kilo Mann mit Alkohol –und Drogenproblemen. Alle standen in Verbindung mit der Chemnitzer „Haller-Security“, welche aber von Inhaber Thomas Haller vehement abgestritten wurde.

Die Reaktionen auf Taten mit neonazistischem Hintergrund, ob gewalttätig oder nicht, sind zwar oft von Empörungen gekennzeichnet, aber in den meisten Fällen findet weder eine tiefgreifende Beschäftigung mit den Umständen, noch mit den menschenverachtenden Ideologien, die dahinter stecken, statt. Gerne wird dann auf lokale Aktionspläne gegen Rechts oder auf Vereine gegen sogenannten „Rechtsextremismus“ verwiesen. An der eigentlichen Situation – ein Klima welches neonazistische Ideologien begünstigt – ändert sich nichts.
Im Gegenteil! Aus dem vorherigen Klima der Verteidigung wird ein feindliches Klima gegenüber Personen, die auf ein Nazi-Problem hinweisen oder von diesem betroffen sind. So zeigt es sich auch am Beispiel des „Off is“. In vielen Statements zum Vorfall wurde sich gegen weitere Punk-Konzerte ausgesprochen.
Die in den Raum geworfene Schuldzuweisungen an die Opfer, sie würden durch ihre Existenz die Übergriffe provozieren, zeugen von einer zutiefst menschenverachtenden Denkweise, die weit entfernt ist von einem allgemeinen Konsens über die Unversehrtheit der Menschen.
Alternative Jugendkulturen im ländlichen Raum sind durch ihr öffentliches Auftreten prädestiniert für solche Schuldzuweisungen, da sie meist als ein störender Faktor im Stadtbild wahrgenommen werden. Diese bilden aber gerade durch ihre Existenz einen wichtigen Zufluchtspunkt für Menschen, die sich nicht einem immer größer werdenden rechten Mainstream anschließen möchten und lieber ihren eigenen Lebensweg beschreiten wollen. Meist ist nach einer solchen Auseinandersetzung von einer derartigen Jugendkultur nicht mehr viel übrig. Geplagt durch Angriffe und Schuldzuweisungen löst sich somit ein weiterer Anknüpfungspunkt für junge Menschen im Ort zu bleiben auf und es bleibt nur eine Hegemonie einer rechten Jugendkultur übrig. In Hohenstein verhielt es sich ähnlich. Das „La belle“ bestand weiterhin und bot seinem rechten Publikum einen Raum. So organisierte der mittlerweile verstorben Nazi Rico Malt (ein wichtiger Akteur bei der HoNaRa) im Jahr 2005 ein Konzert mit bekannten Größen der Nazi-Musik-Szene „Blitzkrieg“ und „Final War“. Kurz darauf schloss dann das „La belle“.
Kommt es nun zu dem seltenen Fall des Verbots einer Nazigruppe, zeigt sich auf lange Sicht keine Besserung der Lage. Die Rädelsführer kommen nach meist verhältnismäßig geringen Haftstrafen aus dem Gefängnis und bilden weiterhin einen festen Bestandteil der lokalen rechten Szene. Der Terror auf der Straße bleibt daher der Gleiche.

Aus den Zahlen über rechte Gewalt und der Art und Weise wie damit umgegangen wird, ergibt sich gerade für den ländlichen Raum ein erschreckendes Bild. Gegenstrategien für diese Gebiete müssen entwickelt werden und müssen aber auch auf eine tragfähige Mehrheit in der Bevölkerung stoßen. Ohne dies wird sich der Terror für die Betroffenen weiter fortsetzen und weitere Todesopfer fordern.
Wir möchten diese Tat als markantes Beispiel nehmen, dass neonazistische Taten nicht vergessen werden dürfen. Aus diesem Grund fordern wir ein Denkmal für Patrick und alle anderen Opfer rechter Gewalt ein.

Es soll ein Mahnmal für die Auswirkungen menschenverachtender Ideologien sein, aber gleichzeitig eine Möglichkeit bieten, ein gesamtgesellschaftliches Klima herzustellen, welches solche Taten nicht mehr ermöglicht!

Zur Bündnisseite hier!