Audiomitschnitt Kritik und Krise II – Gesellschaftskritik nach Auschwitz

Hier findet ihr den Audiomitschnitt des Vortrags Kritik und Krise II – Gesellschaftskritik nach Auschwitz von Martin Dornis. Die Datei ist auf einer externen Seite hochgeladen.

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Kritik und Krise II – Gesellschaftskritik nach Auschwitz.mp3

Im 19. und 20. Jahrhundert zwangen die Entwicklungen der kapitalistischen Gesellschaft zu einer Neuformulierung der kritischen Theorie. Im deutschen Nationalsozialismus hatte sich bewiesen, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihren Krisen nicht zwangsläufig scheitern muss, wie es Marx vermutet und gehofft hatte. Vielmehr kann es dazu kommen, dass sie sich durch antisemitischen Massenwahn und unter Regie eines autoritären Staates gewaltförmig zusammenhält. Die Krise, die laut Marx die kapitalistische Gesellschaft auseinander treiben würde, wird dabei zu dem, was sie allein noch zusammenhält. Die Ideologie, insbesondere der Antisemitismus, kann nicht mehr als Ergebnis der Gesellschaft beschrieben werden. Vielmehr wird er selbst zum Grund, aus dem die Gesellschaft noch existiert: Das nazifaschistische Deutschland muss als ein „Produktionsverhältnis des Todes“ (isf) beschrieben werden. Im Moment des krisenhaften Zerbrechens der kapitalistischen Gesellschaft wurde in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt durch Massenmord gestiftet. Dies erzwingt eine völlig neue Art von Gesellschaftskritik mit veränderter Perspektive: Die Gesellschaft so einzurichten, dass sich derartiges nicht wiederholt.