Archiv für Januar 2010

Bericht über die Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar, dem 65. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz durch die rote Armee, versammelten sich auch in Freiberg ungefähr 25 überwiegend junge Menschen am Rathaus um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Aufgerufen zu der Gedenkkundgebung hatte die Antifaschistische Gruppe Freiberg, die mit der Aktion vor allem noch ein mal an die Opfer des KZ Außenlagers in Freiberg erinnern, sowie eine Kritik am Antisemitismus und am deutschen Nationalismus formulieren wollte. Weiterlesen

Ein Garten voller Böcke

Über die neue Familienministerin Kristina Köhler: Am Kampf um die Deutungshoheit von Begrifflichkeiten, wie Rechtsextremismus und Antisemitismus, beteiligen sich Konservative sowie Vertreter der »Neuen Rechten«. Ein Bericht aus dem kleinen Grenzverkehr am Beispiel der neuen CDU-Bundesfamilienministerin Kristina Köhler. Weiterlesen

Pressemitteilung der Opferberatung Leipzig 25. Januar 2010:

Klingenhain: Rassistischer Brandanschlag nach jahrelangen Angriffen – Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt des RAA Sachsen e.V. unterstützt Sinti Familie.

Am 26. Dezember 2009 brannte das Haus einer Sinti- Familie in Klingenhain komplett aus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, da die Familie Weihnachten bei Verwandten verbrachte. Eine Rückkehr nach Klingenhain kann sich die Familie nicht vorstellen. Das Haus ist unbewohnbar. Der Caravan- Handel der Familie ist ebenfalls niedergebrannt. Die Polizei hat derzeit noch keine Erkenntnisse zu den Tätern. Die Dorfbewohner schweigen.

Dem Brandanschlag gingen jahrelange Anfeindungen und Bedrohungen voraus. Als die Familie 2003 nach Klingenhain zog, begegneten ihnen die Nachbarn mit Misstrauen. „Grund ist das Optische, das Äußere. Die ganze Familie bis zum kleinsten Kind ist dunkel. Wir fallen sozusagen aus der Reihe“, ist sich Herr H., Vater der Familie, sicher.

Von Beginn an begegneten die Dorfbewohner der Familie mit Antipathie, in der Schule kam es für Kinder und Eltern wiederholt zu bedrohlichen Situationen. Schläge, Beleidigungen und Bedrohungen waren an der Tagesordnung. Herr H.: „Es kam soweit, dass sich Neonazis vor uns mit Bierfalschen aufbauten, als wir unsere Kinder abholen wollten. Die Direktorin musste sich schützend vor uns stellen. Die Polizei kam und hat abgesperrt, damit wir rausfahren konnten.“ Auch ein Schulwechsel brachte keine Besserung der Situation.

Diesem rassistischen, antiziganistischen Klima blieb die Familie sechs Jahre lang ausgesetzt: Beschimpfungen als „Zigeuner“ oder „Dreckpack“, immer wieder Schläge, Einbrüche, Vandalismus. Einmal beschoss ein Nachbar sogar das Haus. Bei der Polizei gestellte Anzeigen wurden jedoch alle eingestellt. Nun erklärten die örtlichen Neonazis das Haus zum Angriffsziel. Von insgesamt vier Vandalismusfällen berichten die Betroffenen in den vergangenen Monaten. Im September 2009 wurde die Fensterscheibe des Kinderzimmers mit einem Stein eingeworfen, um den ein Zettel mit den Worten „Haut ab, ihr Kanaken!“ gewickelt war.

Beraterin Katja Braß sagt dazu: „Der Brandanschlag auf das Haus bildet den erschreckenden Höhepunkt jahrelanger Diskriminierungen. Ein Zurück nach Klingehain kann es nicht geben, ihre Existenzgrundlage wurde komplett zerstört. Für den Aufbau einer neuen Existenz fehlen jedwede finanzielle Mittel. Eine neue Wohnung für die neunköpfige Familie ist nicht in Sicht.“

Im Namen der Betroffenen bitten die MitarbeiterInnen der Opferbratung des RAA Sachsen e.V. um Spenden auf folgendes Konto:

RAA Sachsen e.V.
Kto.-Nr.: 0643998600
BLZ: 85080200
Verwendungszweck: Spende Klingenhain (wichtig anzugeben!)

Für Rückfragen stehen Ihnen die Beraterinnen der Opferberatung Leipzig zur Verfügung:

Tel.: 0341.2254957
Mobil: 0178.5162937
opferberatung.leipzig@raa-sachsen.de

Befreiung auf der Bühne

Wenn ein Theaterstück, das die „schicksalhafte Verbindung“ junger Erwachsener aus Deutschland, den palästinensischen Gebieten und Israel zum Thema hat, in der deutschen Presse überschwänglich gelobt wird, muss man als Besucher dieser Inszenierung mit dem Schlimmsten rechnen. Trotzdem hat sich Lea T. Rosgald die Aufführung in Dessau für Lizas Welt angesehen.

VON LEA T. ROSGALD

„Wir sind längst keine Opfer mehr, sondern in der dritten Generation zu Tätern geworden“ – ein solcher Satz aus dem Mund eines Juden oder einer Jüdin lässt das Herz eines jeden „Israelkritikers“ höher schlagen. weiterlesen

TV-TIPP

Shoah – Elf Jahre reiste der Filmemacher und Résistance-Kämpfer Claude Lanzmann durch Europa und sprach mit Zeitzeug_innen des Holocaust – mit Opfern und Tätern. ARTE zeigt “Shoah” in Erinnerung an die Befreiung des Konzentrations -und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.

Teil 1: Mi, 20. Jan · 20:15-00:35 · arte

Teil 2: Mi, 27. Jan · 20:15-00:55 · arte

„Es gibt in Shoah keine Sekunde mit Archivmaterial, weil dies nicht die Art ist, wie ich denke und arbeite, und, nebenbei gesagt, solches Material gibt es gar nicht. […] Wenn ich einen Film gefunden hätte – einen geheimen Film, weil das Filmen verboten war –, gedreht durch die SS, in dem gezeigt wird, wie 3000 Juden – Männer, Frauen und Kinder – zusammen sterben, in der Gaskammer des Krematoriums 2 in Auschwitz ersticken, so würde ich ihn nicht nur nicht gezeigt haben, ich hätte ihn sogar vernichtet. Ich kann nicht sagen, warum. Das passiert von selbst.“ 1

  1. Lanzmann über seinen Film in Le Monde 03. März 1994 [zurück]

Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Nie wieder Volksgemeinschaft
Nie wieder Deutschland

Gedenkkundgebung für die Opfer des Nationalsozialismus

Mittwoch, 27. Januar 2010 – 16 Uhr – Freiberg – Obermarkt

Am 27. Januar 1945 befreiten die Soldat_innen der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Etwa 6000 Häftlinge, die für lange Märsche zu schwach oder krank waren, waren dort von den Deutschen zurückgelassen worden. Die anderen etwa 60000 Häftlinge, die noch am Leben waren, wurden bereits vier Tage zuvor auf Todesmärschen in Richtung Westen getrieben. Während die alliierten Truppen unaufhaltsam vorrückten, wurden in den von Deutschen kontrollierten Gebieten weiterhin unablässig Menschen in Konzentrationslager deportiert und dort vergast. Selbst im Angesicht des drohenden Zusammenbruchs wurden große Ressourcen für die sog. „Endlösung“ mobilisiert. Erst die Befreiung durch die alliierten Truppen konnte das deutsche Mordkollektiv stoppen.

In Freiberg befand sich seit August 1944 ein Außenlager des KZ Flossenbürg, das aus rund 1000 weiblichen jüdischen Häftlingen bestand, die zur „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ Auschwitz-Birkenau erfasst worden waren. Auf dem Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Freiberg auf der Himmelfahrtsgasse und auf der Frauensteiner Straße mussten die Häftlinge für die „Freia GmbH“, ein Betriebsteil der Arado-Flugzeugwerke GmbH Potsdam-Babelsberg, die zu den führenden Luftrüstungsunternehmen Deutschlands gehörte, Zwangsarbeit leisten. In bis zu 14 Stunden langen Schichten wurden unter anderem Tragflächen des Jagdflugzeugs Me 109 und Zielvorrichtungen für die V2 hergestellt. Ein anderes Freiberger Unternehmen, die Deutsche Seil- und Drahtfabrik, produzierte den Stacheldraht des Vernichtungslagers Treblinka. In Oederan, Flöha und Hainichen mussten weitere 1600 Menschen Zwangsarbeit leisten. (mehr…)

NS-Blackmetal-Konzert im „Gleis 3″ / Annaberg-Buchholz

Eine innige Freundschaft dürfte Björn Eichhorn und Stev Lippold mit der NS-Blackmetal-Band „Leichenzug“ verbinden: In einem kurzen Zeitraum von nur einem halben Jahr soll die Band am 09. Jänner bereits zum dritten Mal bei einer von ihnen durchgeführten Veranstaltung auftreten. Im August 2009 spielten „Leichenzug“ und die ebenfalls neonazistische Band „Magog“ im von Eichhorn und Lippold betriebenen Metal-Club „Gleis 3“ in Annaberg-Buchholz, im Oktober trat die Gruppe bei dem von Eichhorn organisierten „Fireblade Force Festival“ in Lichtenstein (Sachsen) auf. Am 09. Jänner soll nun wieder ein Auftritt im „Gleis 3“ erfolgen. „Leichenzug“ ist nicht die einzige Neonazi-Band, die von den beiden Veranstaltern gefördert wird: Neben „Magog“, die nun ebenfalls bereits zum zweiten Mal im „Gleis 3“ spielen sollen, traten in den letzten Monaten u.a. auch die Gruppen „Sekhmet“, „Permafrost“, „Ahnenzorn“ und „Eugenik“ für Lippold/ Eichhorn auf.

Abgesehen von „Leichenzug“ und „Permafrost“ steht diesmal auch die Gruppe „Heldgard“ auf dem Programm. Diese dürfte sich ebenfalls im braunen Flügel der Black Metal-Szene bewegen, im Mai 2008 trat sie etwa gemeinsam mit „Annihilation 666“ und „Permafrost“ in Erfurt auf. Auf dem Cover eines Tonträgers, auf dem Leichenberge und germanische Runen zu sehen sind, wird gefordert: „Tötet sie alle!“ Ebenfalls im „Gleis 3“ dürfte noch im Jänner (vermutlich am 17. d.M.) ein Konzert der russischen Neonazi-Band „Temnozor“ stattfinden, das in einschlägigen Kreisen für „Mitteldeutschland“ angekündigt wird. Die Gruppe, die im Jänner eine Europa-Tour durchführt, bezeichnet ihre Musik selbst als „arischen Schlachtenlärm“ und setzt sich für die Verbreitung der „rassischen Hassbotschaft“ ein, um die Jugend zu erreichen und den „Kulturkampf“ zu fördern. Trotz dieser eindeutigen Ansage und der Mitgliedschaft bei der „Pagan Front“ – einer internationalen Vereinigung nationalsozialistisch orientierter Black Metal-Bands – leugnen die Veranstalter von „Temnozor“-Konzerten in vielen Fällen vehement die einschlägige Orientierung der Band.

Eichhorn und Lippold agieren bei der Organisation ihrer Konzerte mittlerweile sehr konspirativ – obwohl die bisherigen Veranstaltungen ohne Probleme durchgeführt werden konnten. Bei der Bewerbung des aktuellen Konzertes am 09. Jänner weisen sie darauf hin, dass Informationen nur an „vertrauenswürdige Personen“ weitergegeben werden dürfen und diese nicht in Foren gepostet werden sollen.

Quelle: http://fightfascism.wordpress.com

Weitere Informationen zum „Gleis 3″ und den dort stattgefunden NSBM-Konzerten findet mensch hier.

Keine Versöhnung mit Deutschland – Aufruf für den 13.02.

Aufruf gegen Gedenken und Naziaufmarsch am 13. Februar 2010 in Dresden. Vom Vorbereitungskreis „Keine Versöhnung mit Deutschland“

Das Dresden-Gedenken scheint wichtig, so wichtig, dass die neue sächsische Staatsregierung eigens für den bevorstehenden 65. Jahrestag das Versammlungsrecht noch schnell erheblich einschränken will. Schließlich ruinieren „Extremisten“ schon seit Jahren die Gedenkstimmung rund um den 13. Februar und gefährden Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Unterdessen versucht eine Handvoll Dresdner Kultur- und Kirchenprominenz ein weiteres Denkmal zur Erinnerung an die Bombardierung und das Wiedererstehen der Stadt zu erstreiten. Zwar wurde erst 2009 eine neue Erinnerungsstelle in der Altstadt eingeweiht, aber Mahnmale für Dresden kann es in Dresden nicht genug geben. Mit kaum verhohlener revanchistischer Rhetorik wird das Denkmal in der Sächsischen Zeitung beworben; es zeigt einen „gestürzte[n] Mensch[en], der sich aufbäumt, ein Gefallener, der aus eigener Kraft aufersteht. So wie die Dresdner, so wie ihre Stadt.“ Die Oberbürgermeisterin bemüht sich derweil, eine dem Jahrestag angemessene Gedenkatmosphäre zu schaffen – laute Musik oder Demonstrationen sind dabei sehr hinderlich, denn das erwünschte Gedenken soll als unpolitischer und damit unhinterfragbarer Akt wahrgenommen werden. Mit Hilfe einer Menschenkette um die historische Altstadt soll ein „Zeichen gegen Extremismus“ gesetzt und gleichzeitig der Zerstörung der Stadt gedacht werden. Business as usual in Dresden. (mehr…)