Archiv für Mai 2010

Demonstration 19.06.2010: Nieder mit dem islamischen Regime im Iran!

Für die iranische Freiheitsbewegung, Solidarität mit Israel.

Demonstration in Dresden am 19.06.2010. Treffpunkt: 14:00 Uhr, Bahnhof Neustadt/Schlesischer Platz

Wenn vom islamischen Terrorregime im Iran hoffentlich bald nichts mehr übrig ist, so starben die letzten Lügen, auf denen es gebaut war, in den vergangenen 12 Monaten. Noch am Abend der Präsidentschaftswahl am 12. Juni 2009 hatte der „oberste geistige Führer“ der „Islamischen Republik Iran“, der 70-jährige Ali Khamenei, den von ihm favorisierten Kandidaten Mahmud Ahmedinedschad zum Wahlsieger erklärt – die Auszählung der Stimmen abzuwarten hielt Khamenei dabei für unnötig.

Mit der offensichtlichen Wahlfälschung hatte die Herrschaftsclique um Khamenei und Ahmedinedschad eine Grenze überschritten. Das Hinwegsetzen über eines der letzten Mittel der demokratischen Legitimation zeigte die Bereitschaft des islamische Herrschaftsapparats, die gern getragene Maske des demokratischen Populismus fallen zu lassen, sobald sie ihm unbequem wurde. Waren zur Wahl sowieso nur eine handvoll systemkonformer Kandidaten zugelassen, so wurde den letzten Hoffnungen auf wirtschaftliche und politische Reformen innerhalb des iranischen Systems mit dem Wahlbetrug eine klare Absage erteilt. Dass dies der Auslöser für spontane Massendemonstrationen wurde, in denen Millionen von Iraner_innen in den darauffolgenden Tagen auf die Straße gingen und ihre Rechte einforderten, kam für das Regime wie für alle westlichen Beobachter_innen völlig unerwartet. Ungeachtet aller Repressionen und Drohungen durch das Regime gelang es der „grünen“ Reformbewegung nach den Demonstrationen im Juni, über mehrere Monate an offiziellen Feiertagen spontane Massendemonstrationen zu organisieren[1], bei denen die staatlichen Sicherheitskräfte sich stellenweise zurückziehen mussten[2]. (mehr…)

Arbeit ist Scheisze

„Haymarket Riot“

Die historische Grundlage für die heutigen Feierlichkeiten zum 1. Mai als „Tag der Arbeit“ stammt aus dem Jahr 1886. Für den 1.Mai dieses Jahres rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zu Demonstrationen und Streiks auf. Die Durchsetzung des 8-Stunden-Tags war ihr Ziel. So folgten Anarchist_innen und Vertreter_innen der Arbeiterklasse den Aufrufen auch in Chicago. Der Chefredakteur und Herausgeber der „Arbeiter-Zeitung“ August Spies, hielt am 1.Mai 1886 auf dem städtischen „Haymarket“, eine Rede an die Arbeiterschaft. Es folgten tagelange Streiks und Unruhen. Als am 4.Mai dann während einer Versammlung eine Bombe explodierte, wurden Versammlungsteilnehmer_innen und Polizisten verletzt bzw. getötet. Nach der Explosion eröffnete die Polizei das Feuer auf die Demonstrant_innen. Ergebnis dieser Aktion waren 7 tote Cops und ca. dreimal so viele tote Arbeiter sowie über 200 verletzte Streikente.

Die Forderung eines 8-Stunden-(Arbeits-)Tages, der den damals noch verbreiteten
12-Stunden-(Arbeits-)Tag ablösen sollte (wobei die Zahl der Arbeitsstunden nach oben hin vermutlich keine Grenze gesetzt war), war mit Sicherheit eine bahnbrechende Forderung, jedoch könnte mensch sagen, dass emanzipatorische Überlegungen sich damit noch nicht zufrieden geben sollten und können.

Bei Marx kann mensch zu diesem emanzipatorischen Gedanken wie folgt nachlesen:
„Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.“ …also erst eine Befreiung von der Arbeit wäre nach Karl ein Ziel.

Aber auch er fügt dem hinzu: „Die Freiheit in diesem Gebiet kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn. Aber es bleibt dies immer ein Reich der Notwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die sich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem Reich der Notwendigkeit als seiner Basis aufblühn kann. Die Verkürzung des Arbeitstags ist die Grundbedingung. (Marx/Engels, MEW, Bd. 25,Berlin 1968 S.828)

Hier folgen nun 4 Exkurse. Sie behandeln alle das gleiche Thema und sind doch recht unterschiedlich. Es kann dabei nicht darum gehen, eine „richtige“ Darstellung (was schon allein aufgrund der Kürze der Teile gar nicht möglich ist) festzuschreiben. Vielmehr sollen eben verschieden Ansichtsweise präsentiert werden.

Gedankenausflug 1:

Nach: Herbert Marcuse – Zur Kritik des Hedonismus

Der Arbeitsprozess ist nicht auf Hinblick der Bedürfnisse und Fähigkeiten der Menschen geregelt, sondern nach der Orientierung auf die Kapitalverwertung und Warenproduktion. Die menschlichen Verhältnisse sind somit Klassenverhältnisse, ermöglicht durch den freien Arbeitsvertrag. Der Charakter dieses Vertrages zwischen den Einzelnen Individuen hat sich über die Sphäre der Produktion auf das gesamte gesellschaftliche Leben ergossen. (Marcuse, 1965, S.133)
Solidarische gegenseitige Sorge kann das Zurücktreten der Menschen in ihre sozialen Rollen vermeiden und somit kann auch das Vertragswerk, auf welchem die Gesellschaft beruht, gebrochen werden. (ebd., S.133)
Das Glück kann nicht allgemein für alle gelten, wenn der größte Teil der Gesellschaft von den Produktionsmitteln getrennt ist und die Arbeit nach den Anforderungen des Arbeitsprozesses geschieht, nicht aber nach den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Individuen. Für das Glück bleibt nur der Konsum übrig. (ebd., S.141).
Der radikale Hedonismus entstand in der Antike zu Zeiten der Sklavenwirtschaft. Hier fielen Arbeit und Glück extrem auseinander. Die Gesellschaft war getrennt nach freien und versklavten Menschen. Heutzutage ist das Prinzip der Arbeit verallgemeinert worden indem nun jeder und jede arbeiten und dann nach Maß seiner und ihrer Leistung vergütet werden soll. Das kapitalistische Wertgesetz ist undurchsichtig und so wird keine vernünftige Beziehung zwischen Produktion und Konsumption ( Arbeit und Genusz ) hergesellt. Das Erreichen von befriedigenden Zuständen, Glück, erscheint als Zufallserscheinung. (ebd., S.141)
„Die Entfaltung der Sinnlichkeit ist nur ein Teil der Entfaltung der Produktivkräfte; die Notwendigkeit ihrer Fesselung gründet in dem antagonistischen gesellschaftlichen System, indem sich diese Entfaltung vollzog“ (ebd., S.153) Die Beherrschten können durch viele Arten abgelenkt und zur Ersatzbefriedigung erzogen werden, so zum Beispiel mittels Sport. Auch „eine große Zahl zugelassener Volksvergnügen“ haben immer wieder ihre Funktion hinsichtlich der Distraktion erfüllt.
Auch schon der Arbeitsprozess selbst schafft es, den unteren Schichten, durch Verkümmerung und Vergröberung der Organe des Arbeiters, die Entwicklung von Sinnlichkeit nicht über das technisch erforderliche Maß hinausgehen zu lassen. „Was dann noch als unmittelbarer Genusz erlaubt ist, wird durch das Strafgesetz umschrieben.“ (ebd., s.153)
Die Arbeit soll es ermöglichen, getrennt von ihr, Lust und Glück zu erfahren. Wichtig dabei ist nun auch, dass für den Genusz nur die übrig gebliebene knappe Freizeit bleibt. In dieser soll dann Energie und Arbeit regeneriert werden.
Glück kann nicht allgemein sein, wenn das Individuum sich im alltäglichen Konkurrenzkampf sein Leben verdienen muss und dies anhand seiner Arbeitskraft bewertet bzw. entlohnt wird.
Ziel und Zweck der Arbeit ist nicht das Glück, sondern die Auszahlung des Entgeltes und somit die Voraussetzung und Möglichkeit weiter zu arbeiten. (ebd., 156f)
Selbst mit der Erreichung einer „Assoziation freier Menschen“ (welche die Befreiung der Menschen von der Arbeit einschließt) bleibt eine Erscheinung von Bestand:
„Das Reich der Notwendigkeit bleibt bestehen, die Auseinandersetzung mit der Natur und unter den Menschen selbst geht weiter. So wird auch die Reproduktion des Ganzen weiterhin mit Entbehrungen des Einzelnen verbunden sein; das besondere Interesse wird nicht unmittelbar mit dem wahren Interesse zusammenfallen.“ Aber, den Unterschied zur unterdrückenden antagonistischen Klassenbeziehung hervorhebend, fährt er fort: „Die Differenz zwischen besonderen und wahrem Interesse ist jedoch etwas anderes als die Differenz zwischen dem besonderen Interesse und dem Interesse einer verselbständigten, die unterdrückenden Allgemeinheit“(ebd., S. 161f).

Gedankenausflug 2:

Nach: Johannes Agnoli: Transformation der Demokratie:

Johannes Agnoli beschreibt wie schwer es ist, für die Arbeiter_innenbewegung, wie auch für alle anderen Bewegungen und Interessengruppen, etwas an der Gesellschaft zu ändern, wenn diese Veränderungen über herrschendes Staatsinteresse hinausgehen.
Er schildert konkreter die Befriedungsvorgänge bei aufeinander treffenden Interessen innerhalb der deutschen Demokratie. Demnach schafft es die Demokratie mit ihrer Friedensfunktion eine Expansion nach außen wie auch eine Abwehr gegen revolutionäre Bewegungen nach innen (beispielsweise Streiks) zu schaffen. Grundsätzlich kann die Befreiung der Arbeit (jedoch noch nicht von der Arbeit!) nur errungen werden, wenn soziale Konflikte bewusst und voll ausgetragen werden. Die Chance wiederum reift heran mit der Festigung des Internationalen Friedens. Jedoch wird in Deutschland mittels freiheitlich-demokratischer Grundordnung der soziale Friede versucht zu sichern und ihm im internationalen Konflikt zu bewähren. (Agnoli, 2004, S.27)
Eine Züchtigung (Domestizierung) der gesellschaftlichen Opposition parlamentarisch umso effektiver, wenn diese direkt mit der Domestizierung des Konflikts zwischen Arbeit und Kapital einhergeht (durch die integrierten Gewerkschaften vorgenommen, welche sich mehr im Dienst des Staatsinteresses, als der der tatsächlichen Vertretung der Arbeiter_innen sehen). Diese integrierten Gewerkschaften haben größere Erfolge als Kampfgewerkschaften, jedoch nur in hochkonjunkturellen Phasen.
Die Unternehmer_innen behalten hier nun die Organisation der Arbeit und die Steuerung der Produktion. Hierdurch wird das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital entpolitisiert. Das Verhältnis wird nicht mehr als Konfliktsituation verstanden in dem Herrschaft waltet und wo gegen eben diese gekämpft wird. Somit wird die Ausbeutung von der Herrschaft getrennt und die Aufhebung der Ausbeutung, was als eigentliches Ziel der Gewerkschaften einst galt, „wird von der Befehlsstruktur der Produktion losgelöst und abstrakt als Hebung des Lebensstandards angestrebt, ohne das die Herrschaftsfrage (wer organisiert die Arbeit; wer entscheidet im Produktionsprozess) gestellt wäre.“ Mensch könnte sagen: Das Problem der Lohnarbeit verliert ihren ausbeuterischen Charakter wenn der Herr väterlich für seine Untergebenen sorgt (ebd., S.86f).

In einem Interview äußert sich Agnoli noch einmal anders zu Wort:
„Das Problem geht viel tiefer. Nehmen Wir jenes berühmte Marx­ Wort, dass nicht die Befreiung der Arbeit, sondern die Befreiung von der Arbeit das Ziel sei, die Reduzierung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit auf ein Minimum. Diese Perspektive aufrechtzuerhalten in einer Zeit, in der die Menschen nach Arbeit hungern“ um überhaupt weiterleben zu können, das ist natürlich ein Problem. Solche Probleme muß man sehen und nicht einfach sagen: Ach was, wir bleiben beim Prinzip der Befreiung von der Arbeit.
Die Linken gehen sehr häufig nicht von der Wirklichkeit aus. Sie gehen immer entweder von Zukunftsvorstellungen oder von vergangenen Positionen aus. Aber die Hoffnung, dass es anders wird, hängt eben auch damit zusammen, dass es so auf keinen Fall weitergehen kann. Die Strukturen dieser Gesellschaft sind nicht mehr tragfähig, nicht mal mehr tragfähig innerhalb der Wohlstandsgesellschaft des Westens, und wir wissen wirklich nicht, was weiter passiert. Diese Gesellschaft muss allemal geändert werden und die Frage ist, ob sich die Änderung übersetzt in eine härtere Form der politischen Machtausübung. Das ist meine Befürchtung.“

Gedankenausflug 3:

Das deutsche Arbeitsethos

Martin Luther war der, der in seiner Bibelübersetzung die Last und das Übel der Arbeit zum Lebenssinn und zur Pflichterfüllung aller machte und auch gern andere (Pseudo-)Weisheiten zur Massenbildung äußerte, wie z.B. folgende: „Dass der Herr mehr Güter hat denn sein Knecht und doch der Knecht mehr arbeiten muss denn der Herr, …das will Gott also haben“
(Jungle World 04/2010, S.6f).
Überspringen wir einige Jahrhunderte und kommen zum Nationalsozialismus.
Im Jahr 1933 wird der erste Mai als „Feiertag der nationalen Arbeit“ per Reichsgesetz festgelegt. Hier ideelle Kontinuitäten zu vermuten ist erwünscht.
Nach Richard Wagner heißt “deutsch sein …, eine Sache um ihrer selbst willen tun“(Adorno, 1969,S.104).
Und wer an die pervers-zynische Eingangsbotschaft vom KZ Auschwitz „Arbeit macht frei“ denkt, kann sich zusammenreimen, was das in dieser Zeit hieß: Vernichtung um der Vernichtung Willen. Die verkackte Autobahn war eben nicht alles was die Deutschen „fertig gebracht haben“. Da die Nazis gern auch unterschieden zwischen „raffenden“ und „schaffenden“ Kapital, soll eine Aussage Hitlers nicht verwundern: „Im Hakenkreuz [sehen wir] die Mission des Kampfes für den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.“ (Hitler, Mein Kampf, 557, zit. n. Daniel J. Goldhagen, Hitlers willige Vollstrecker, Berlin 1996, 337.)
Der Kommunistischen Partei in Deutschland fiel an Gegenargumente hierzu scheinbar nicht allzu viel ein und so verwundert es kaum, dass auch die KPD etwas gegen “dunkle Mächte“ hatte und unter anderem im Jahr 1935 die Anweisung heraus gab, dass sich jüdische und nichtjüdische Genossen in getrennten Zellen zu organisieren hätten. (vgl. Die Zeit, 4. November 1994).
Dem folgend rief das ZK der KPD 1936 auf zur:
„Versöhnung der antifaschistischen und der nationalsozialistischen Massen“. Dieser Aufruf stellt somit den Tiefpunkt kommunistischer Politik in Deutschland dar. „Das deutsche Volk“ wurde darin aufgefordert, „zusammenzuhalten, die nationalsozialistischen Führer beim Wort zu nehmen und […] Forderungen der NSDAP, die den Interessen des Volkes entsprechen, in treuer Kameradschaft durchzusetzen“. (Walter Ulbricht, Für die Versöhnung des deutschen Volkes, nachgedruckt in: utopie kreativ 9 (1996), Nr. 71, 34.)
….Irgendwie lässt sich da immer ein roter Faden erkennen. Ein Friedrich Engels, der 1890 verkündet: „es kann nicht Aufgabe der Sozialdemokratie sein, das Simulantentum zu fördern“ und dann vorm „Lumpenproletariat“ warnt, da sich jenes „auf Kosten des arbeitenden Teils“ durchfresse und somit das Proletariat schwächen würde und dessen revolutionäre Kraft vernichte, der lädt dazu ein, sich von jenen Überlegungen, seien sie auch von kommunistischer Seite, zu trennen und neue Wege zu gehen. Gerade eine „Linke“ sollte sich neu orientieren.
Heute: Sogenannte Erwerbslose werden als „Hartz-IV-Abzocker“ tituliert und mitunter von großen Teilen der Bevölkerung diffamiert und marginalisiert. Es kann ja schließlich nicht sein, dass eine Person Lohn bezieht ohne dafür zu schuften. Ist ja klar. Und solche „Parasiten“ haben zumindest in Deutschland eine gewisse Tradition. Im NS verstand man unter Parasiten „Asoziale, die der Allgemeinheit zur Last fallen“. …Oder wir nennen sie „Sozialschmarotzer“. Hauptsache das Feindbild läst sich erkennen. Aber „wir“ stehen nun einmal vor einem Problem: es gibt zu wenig kluge deutsche Kinder. Zum Glück bemerken das auch die Medien, so schreibt die FAZ, die Wirtschaft brauche “arbeitende Menschen, aber nur die Unterschicht vermehrt sich“. Auch Staaten können zum „Schmarotzer“ werden. Aktuell ist Griechenland das Ziel jeder noch so selbstgerechten Anfeindung. Lange wurde das Land als Verlockung gesehen: „es war herrlich unproduktiv, lag in der Sonne und gab sich den Freuden des Lebens hin.“ Nun wird dem Land genau das vorgehalten und als Betrug am Euro umgepolt. …faul sind sie die Griechen.
Abschließend noch eine Feststellung, die auch im Großen funktioniert: Müßiggänger anscheißen vereint und schließt gleichzeitig auch aus. Die Demütigung der Arbeitslosen ist ein gesellschaftliches Erziehungsmodell zur Disziplinierung aller Erwerbstätigen. Sie sollen sich täglich sagen: …lieber unterwerfe ich mich allen Bedingungen (Jungle World 04/2010, S.6f).

Gedankenausflug 4

Klasse?

Theodor W. Adorno verfasste 1946 eine Schrift mit dem Titel „Über die Reflexion des Klassenbegriffs“. Aus jener geht hervor, dass sich die „Klassen“ selbst aufgehoben haben. Sie sind nur noch objektiv ökonomische Gesellschaftsformen, jedoch
nicht mehr revolutionstheoretisch und radikal vorhanden.

Joachim Bruhn ist im Bezug zu Adornos Aufsatz
der Meinung, dass es heutzutage (und schon seit geraumer Zeit) reaktionär ist, sich auf Arbeiter_innen und proletarische Interessen zu berufen. Daran hängt sich auch ein Abgesang auf die „Klassengegensätze“. Diese Gegensätze sollen auch nicht neu artikuliert werden, da sie vom Kapital selbst überholt sind. Vielmehr muss jenseits von diesen Antagonismen nach der Begründung von Revolution gesucht werden. Die kategorischen Imperative nach Marx und Adorno, also „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen sei.“ und, „Den­ken und Han­deln so ein­zu­rich­ten, dass Ausch­witz nicht sich wie­der­ho­le, nichts Ähn­li­ches ge­sche­he“, bieten eine bessere Herangehensweise.
Immanent in solchen alten Mustern war auch immer der Antisemitismus und die Arbeiter_innenbewegung hat sich nie wirklich mit diesem und der Vernichtung der Juden und Jüdinnen beschäftigt. Im falschen Kommunismusbegriff, der von Bruhn auch „Kasernenkommunismus“ genannt wird, geschieht eine Trennung von Luxus und „normaler“ Unterhaltung des Lebens. Folgt mensch aber Adorno, so kann es gar keine andere Vorstellung des Kommunismus geben, als die der „Versöhnung des Besonderen mit dem Allgemeinen“.

Keine Emanzipation liegt allein in der „Befreiung von der Arbeit“. Wollen die Menschen bessere Zustände, so muss die Kritik der Arbeit immer auch eine Staats-, Ideologie- und Kapitalkritik mit umfassen. Es geht tatsächlich um das Ganze.

Abschlusz:

„…auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen“, das ist Adornos Antwort auf die Arbeiterbewegungsparole „Die Arbeit hoch“ und gleichzeitig die Vorstellung über eine emanzipierte Gesellschaft, wie er sie in der „Minima Moralia“ niederschrieb.
(Gigrat, 2006, S.77)

Wenn also schon kritisch gedacht wird, dann sollte es dabei um nichts Geringeres gehen als um die bestmögliche Art und Weise menschlichen Daseins und somit auch zum Zwecke der Minimierung der Arbeit.

Für Müßiggang und Kommunismus!

Geänderte Version des Originals von T. Sawyer
AAWE Mai 2010.

Literatur und Quellennachweis:

Adorno, Theodor W.: Stichworte. Kritische Modelle 2. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1969.

Agnoli, Johannes: Die Transformation der Demokratie. In: Agnoli, Barbara Görres (Hrsg.): Johannes Agnoli. Die Transformation der Demokratie und andere Schriften. Hamburg (Konkret Literatur) 2004.

Agnoli, Johannes. Interview: Über die Abschaffung des Staates.
http://www.copyriot.com/sinistra/reading/agnado/agnoli05.html

Grigat, Stephan (Hrsg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Isamismus. Freiburg (Ca Ira) 2006.

Jungle World, Nr.14, 8.April 2010.

Marcuse, Herbert: Zur Kritik des Hedonismus. In: Marcuse, Herbert: Kultur und Gesellschaft 1. Frankfurt am Main (Suhrkamp) 1965.

Marx/Engels, MEW, Bd. 25,Berlin 1968.

Thoerner, Klaus: Warum die Linke lieber den Tag der Arbeit feiert:
http://www.conne-island.de/nf/154/23.html#f9

Gedankenausflug 4 nach Vortrag von Joachim Bruhn: Einheit des Vielen ohne Zwang.
http://audioarchiv.blogsport.de/2009/03/05/einheit-des-vielen-ohne-zwang-der-kommunismus-thw-adornos-2