Archiv für August 2010

Kein VOLK kein FEST kein VOLKSFEST – destroy the spirit of Dresden!

Auch dieses Jahr findet wieder das Fest der Völker in Pößneck statt. Und auch dieses Jahr wird es wieder ein Volksfest gegen Nazis geben, ob als Bratwurstessen oder Blockade (In Dresden bezeichnete sich 2010 die Hauptblockade am Albertplatz selbst als „Volksfest“. ).
Wie auch beim „Trauermarsch“ in Dresden oder anderen nazistischen Großveranstaltungen geht es bei den Gegenaktivitäten nicht um eine Kritik rassistischer, antisemitischer, sexistischer oder anderweitig diskriminierender Ideologien, sondern in erster Linie um eine Abgrenzung von diesen „bösen Randerscheinungen“, für die vermeintlich nur die Nazis stehen. Dass solche ausgrenzenden Denkmuster auch fest in den Köpfen so mancher Nazi-Gegner verankert sind, bleibt dabei erstmal unreflektiert. Der „Kampf gegen die Rechtsextremisten“ wird zum Sinnbild der geläuterten, demokratischen Nation. Antifaschistische Gruppen bauen gewollt oder ungewollt an diesem Bild eines „neuen“ Deutschland mit, wenn ihre radikale Kritik Pragmatismus weicht. (mehr…)

Zweiter Brandanschlag innerhalb von einer Woche in Dresden

Unbekannte warfen am Morgen des 24. August einen Brandsatz in ein alternatives Wohnprojekt in Dresden-Pieschen. Dieses wurde in der Vergangenheit immer wieder Ziel von rechten Angriffen. Zu der Zeit hing an der Außenfassade ein Transparent, welches sich mit dem wenige Tage zuvor angegriffenen alternativen Wohnprojekt “Praxis” in Löbtau solidarisch zeigte. (mehr…)

Erneuter Brandanschlag in Döbeln

Nach „Sturm 34″ Prozess: Erneuter Brandanschlag auf Treibhaus e.V. in Döbeln

In der Nacht vom 25.08.2010 auf den 26.08.2010 entzündeten bisher noch unbekannte TäterInnen gegen 2 Uhr ein Transparent an der Hausfassade des Treibhaus e.V. Döbeln. Das Transparent richtete sich mit seiner Aussage gegen die gängige Abschiebepraxis und war in ca. 3 Meter Höhe über dem Bürgersteig an der Hausfassade befestigt. BesucherInnen des vom Treibhaus e.V. betriebenen Café Courage, welches sich im Haus befindet, bemerkten den Brand erst mit Verzögerung und alarmierten daraufhin die Polizei. Ein Eingreifen der Feuerwehr war nicht nötig. Glücklicherweise hatte das Feuer nicht auf die Holzfensterrahmen, an denen das Plakat befestigt war, übergegriffen. Personen kamen keine zu Schaden. Zum jetzigen Zeitpunkt muss von einem gezielten Anschlag unter Verwendung von Brandbeschleunigern ausgegangen werden, da BesucherInnen nach dem Brand eine Flüssigkeit an den Transparentresten aufgefallen war. (mehr…)

Antisemitische Schändungen in Annaberg-Buchholz

2 mal innerhalb diesen Monats wurde der Gedenkstein, der an den jüdischen Friedhof der „Israelitischen Religionsvereinigung zu Annaberg“ erinnern soll von Unbekannten beschädigt. Am Morgen des 5. August fand ein Passant den Gedenkstein mit Bauschaum besprüht vor. In der Nacht 23./24. August wurde dieser dann erneut geschändet. Diesmal übersprühten die TäterInnen ihn mit schwarzer Farbe. Der Gedenkstein wurde erst 1988 in der Nähe des ehemaligen jüdischen Friedhofs errichtet und soll an diesen erinnern, welcher 1940 von Deutschen zerstört und eingeebnet wurde. Bereits während der Pogromnacht 1938 wurde dieser geschändet und die dazu gehörige Feierhalle in der gleichen Nacht gesprengt.

Wie festzustellen ist, gibt es zur Zeit in Sachsen massive Angriffe auf linke Wohnprojekte und Personen. Wie alljährlich rund um 17. August, dem Todestag von Hitlerstellvertreter Rudolf Hess kommt es zu einer Vielzahl von Naziaktionen. Waren diese in den vergangen Jahren oft nur Propagandaaktionen, so scheint es als gäbe es dieses Jahr eine starke Steigerung der Intensität der Aktionen. Wir gehen davon aus, dass es sich bei der Schändung des Gedenksteines um rechte TäterInnen aus Annaberg-B. handelt. Ob diese im Zusammenhang mit den „Hess-Gedenkwochen“ den jüdischen Gedenkstein geschändet haben, ist unklar.

Die Zerstörungen an die Erinnerung der antisemitischen Gräueltaten in Annaberg-B., die Teil der Shoah sind, verurteilen wir zutiefst. Genauso das Schweigen der Stadt getreu dem Motto nichts hören, sehen und sagen. Das kennen wir doch noch vom 9. November 2009: Anstatt an die Pogromnacht zu erinnern, wird jubelnd der Jahrestag der Wiedervereinigung gefeiert. Versöhnung statt kritische Reflektion von Annaberger und Deutscher Beteiligung im NS steht bei der hießigen Schlussstrichmentalität auf der Tagesordnung.

„Wer den Antisemitismus in seiner primitiven und elementaren Form nicht anprangert und zwar gerade deshalb nicht, weil er primitiv und elementar ist, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht dadurch den Antisemiten in aller Welt ein Zeichen heimlichen Einverständnisses gibt.“ Léon Poliakovs

NPD-Infostand kommt!

Da beim größten sächsischen Volks(gemeinschafts)fest, dem „Tag der Sachsen“ zwischen dem 3. und 5. September die wohl widerlichsten und am offensten auftretenden VertreterInnen deutscher Ideologie/ideologischer Fragmente nicht fehlen dürfen, wird es einen „großen Infostand“ der NPD in Oelsnitz/E. geben. Das Konstrukt Volksgemeinschaft funktioniert seit je her auch ohne die Nazis der NPD, die ihren braunen Dreck verteilen. Erinnert sei hier an die Hetzjagd von etwa 50 deutschen Jugendlichen auf acht Inder im August 2007 in Mügeln. Aktuelle Beispiele sind desweiteren die zwei fremdenfeindlich motivierten Brandanschläge auf Döner-Restaurants in Freiberg, Brandanschläge auf Autos in Döbeln, der Angriff von Fußballhools am 14.08.2010 auf das alternative Projekt „Reba 84″ in Chemnitz sowie zwei Aufeinanderfolgende Anschläge auf das linke Hausprojekt „Praxis“ in Dresden in der Woche danach. Hier gab es erst Steinwürfe von einer Gruppe Jungnazis, gefolgt von einem Brandanschlag zwei Nächte später. Ein Überfall auf alternative Jugendliche von circa 30 Nazis in Merrane letztes Wochenende. Oder noch ein weiterer Brandanschlag auf ein anderes linkes Wohnprojekt in Dresden. Der Tod von Menschen wurde hier von den TäterInnen billigend in Kauf genommen.

Somit sollte nicht nur der/die NPD-VertreterInnen samt Infostand als antiemanzipatorisch wahrgenommen werden, sondern auch die gesamte postfaschistische Gesellschaft, die sich selbst feiert, mit Bratwurst, Bier und Volksfest. Ob Aufkleber, Plakate, Schmierereien, Transparente, Übergriffe oder Spontandemo von circa 50 Nazis im November 2009, Oelsnitz/E. hat nicht nur ein Naziproblem, diese Stadt ist ein Problem. Dabei ist uns das Image dieser Stadt scheißegal. Denn Sie bekommt die Nazis die sie verdient hat. Kritik kann hier nur destruktiv sein.

Autonome Antifa Westerzgebirge August 2010

NO NAZIS! Demo-28-08-Radeberg

Zur kommenden Antifademo in Radeberg ein wenig Kritik.

Erster Kritikpunkt:

Der Aufruf ist bezüglich der Verwendung der Begrifflichkeit „rechtsextrem“ und „extreme Rechte“ zu kritisieren, da dies die „bürgerliche Mitte“ als Maß aller Dinge ansieht. Das sollte mensch nochmal reflektieren und überdenken. Mehr Informationen zum Extremismusdiskurs lassen sich im Netz, bspw. unter http://inex.blogsport.de, finden.

Zweiter Kritikpunkt:

Den NS als Ausbeutersystem und Verbrechersystem zu bezeichnen kann so ebenfalls nicht stehen gelassen werden. Wenn der NS etwas war, dann ein Vernichtungssystem. Natürlich wurden Menschen zu Zwangsarbeit verpflichtet. Doch in den meisten Fällen mit dem Ziel der Vernichtung der Arbeiter_innen. Ausserdem haben fast alle Deutschen passiv und aktiv an der Umsetzung des NS mitgewirkt und wurden nicht wie manch eine_r glauben mag „mitgeschleift“. Die Begriffe Ausbeuter- und Verbrechersystem verharmlosen den Nationalsozialismus.

Autonome Antifa Westerzgebirge