Archiv für Februar 2011

Nazitränen

Noch vor dem diesjährigen 13. Februar und dem damit verbunden Nazigroßevent in Dresden, haben auch die hiesigen Nazis auf sich aufmerksam gemacht. Waren es in den letzten Jahren eher Propagandaaktionen, ließen sie sich dieses Jahr etwas Spezielles einfallen. Auf einer selbst gebastelten Gedenktafel sollte den Oelsnitzer Bombentoten des 13. Februar 1945 gedacht werden. Auf der gleichen Gedenktafel wird auch behauptet, dass der 2. Weltkrieg dem deutschen Reich aufgezwungen wurde. Daneben ließ man ein Holzkreuz aufstellen und neben einem Trauergebinde und Grabkerzen wurden auch Plüschtiere „beigelegt, welche unter anderem an die 9 Schülerinnen einer Berufsschulklasse erinnern sollen“. So etwas kommt in der Provinzbevölkerung an, stellt aber nichts weiter dar als eine bösartige Relativierung der Opfer des Nationalsozialismus.
Dass tote Kinder kein Grund zur Freude sind, versteht sich – sie gegenüber den Ermordeten des NS-Regimes aufwiegen zu wollen, jedoch nicht.
Dementsprechend wurde der Nazikitsch kurzer Hand eingesammelt, in seine Rohstoffkomponenten zerlegt und der Wertstoffverwertung zugeführt.

Damit’s mal richtig sitzt – Antifaschistische Demonstration am 5. März 2011 in Chemnitz (Kurzaufruf)

Polizeiliche Repression gegen Antifaschist_innen, eine zahnlose bürgerliche Demonstration und durch die Stadt ziehende Geschichtsrevisionisten/-innen und Antisemiten/-innen – Grund genug auf die Straße zu gehen!

Start um 11:00 Uhr am AJZ Chemnitz (Chemnitztalstraße 54)

Jährlich marschieren am 5. März, dem Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz 1945, mehrere hundert Neonazis auf. Dies wird zum Anlass genommen einen städtischen Ausnahmezustand sowie einen zivilgesellschaftlichen Aufstand auszurufen. Eine Stadt mit dem Wunsch, neben der Universität und der Beherbergung der ältesten Bewohner_innenschaft Europas, Technikcampus-Firmen und Fachkräfte anzulocken, benötigt ein weltoffenes, friedliches und tolerantes Image. Ganz im Sinne moderner Bürgerlichkeit schreiten Demokratiebewegte jedes Jahr gegen Nazis und für Frieden ein. Leider normal ist dabei das Zusammenspiel von sogenannter Zivilgesellschaft, die die Stadt im antifaschistischen Massenspektakel verteidigen wollen, und städtischer Verwaltung und Polizei, die darum bemüht sind alles in geordnete Bahnen zu lenken.
Die geschätzten Kolleg_innen der Chemnitzer Wachtmeisterei waren immer vor Ort, um dafür zu sorgen, dass neben zivilgesellschaftlich-kommunalen Unmutsbekundungen ein reibungsloser Ablauf der Nazi-Aktionen möglich ist. Gegen einen Großteil derer, die dem neonazistischen Gedenken etwas entgegenzusetzen versuchten, steigerte sich von Jahr zu Jahr der Repressionsdruck. Die Chemnitzer Bereitschaftspolizei fiel dabei wiederholt wegen ihres aggressiven oder schlicht vorzivilisatorischen Verhaltens auf. Das Bild vom Gruppenführer, der seine abgerichteten und wild gewordenen Beamten gerade noch unter Kontrolle hat, ist ein bekanntes Motiv.

Am 5. März 2011 gilt es zu intervenieren, um den Frieden im Rahmen des Gedenkens sowie die Ordnung im Umgang mit Neonazis in der Stadt aufzukündigen!

Weitere Informationen und aktuelle Ankündigungen hier!

Artikel über Grauzone Band „Biertras“

vom Dokumentationsportal über Grauzone und die Rechtsrockszene des Infokollektiv G3

Nicht unser Bier!

oder warum „Biertras“ nicht rockt.

„Ich bin ein Skinhead und liebe meine Heimat. Ich bin ein Hooligan und lebe es mit Wort und Tat“ schallt es im Lied mit dem Titel „Erzgebirge“1 der „unpolitischen“ Band „Biertras“ aus Geyer. Weiter geht es mit „Wir hausen hier im Erzgebige und darauf sind wir stolz ….Erzgebirge mein Vaterland, denn hier bin ich daheim. Ich möchte immer bei dir sein“ Über 100 Jahre zuvor, als der Chauvinist Anton Günther seine Heimatliebe von sich gab, klang das noch so: „onnrer alten deitschen Haamit gilt der letzte Troppen Blut. Deitsch on frei wolln mer sei, on do bleibn mer aah derbei, weil mer Arzgebirger sei!“
Lokalpatriotismus und Deutschtümelei par excellence. Ein Beispiel weshalb sich die Oi!-Band politisch zwischen rechtsoffener Grauzone und den offenem rechten Spektrum bewegt. Bildet sich doch dadurch eine weitere Schnittstelle zu nationalistischer Ideologie. Muikalisch beschreiben sie Ihren Sound frei nach der Rechtsrockband „Endstufe“ als „Skinhead Rock & Roll“. In Anlehnung an die Bezeichnung „Ultras“ aus der Fußballszene, bezeichnen sich die Bandmitglieder als „Biertras“ – wegen des Bierkonsums – versicherten sie in einem Interview.2 Man(n) trinkt ja gern!

Einblicke

Neben diversen Auftritten im Ratskeller von Geyer spielte die Band unter anderem auf dem „Sauberg Open Air“ im nahe gelegenen Ehrenfriedersdorf. Außerdem spielten „Biertras“ am 19.12.2009 in Niesky zusammen mit „Durstige Nachbarn“ und „Querschlaeger“ unter dem Motto „Ostrock Party“. Am 13.3.2010 zusammen mit der rechtsoffenen Band „Gerbenok“ und „Krampf-Kampf“ in Zeitz und zusammen mit „Lammkotze“ am 11.06.2010 erneut in Niesky.
Gemeinsame Auftritte gab es auch immer wieder mit der „Böhse Onkelz“ Coverband „Engel in Zivil“. Zuletzt am 27.12.2010 wieder im Ratskeller Geyer. Zur „großen Jahresabschlussparty“ von „Engel in Zivil“. Auch bei der „Grosse(n) Benefiz Rock Night“ zugunsten der Kintertagesstätten in Geyer und Herold sowie des SOS Kinderdorf e.V. spielten „Biertras“ neben „Engel in Zivil“ auf.
Ihr Debut Album „Doppelgänger“ erschien unter dem Grauzone Label „KB Records“. Es ist aber auch bei kommerziellen Versänden wie dem „EMP“ erhältlich.
Wie in einem Beitrag auf Oire-Szene berichtet wurde, zeigt ein Blick in die Myspacefreundesliste, dass neben der versammelten Grauzone („Krawallbrüder“, „Gonads“, „Riot Company“, „Bakers Dozen“ (RAC), „Stahlwerkzine“, „Lammkotze“, „Suspekt“, „Unantastbar“, „Randale Records“, „Dolly D“, „Die Jungz“, „Stomper 98″, „Cotze Skinheadrock“, „Roughnecks“ u.v.m.), auch eindeutig neonazistische Bands, Läden und Einzelpersonen zufinden sind.

Schadensbegrenzung?

Nachdem Anfang März 2010 auf „Oire-Szene“ kritisch berichtet wurde, tauchte dann auf dem Flyer zur Record Release Party das Logo „Love Music Hate Fascism“ auf. Wohl eher um weiteren unbequemen Fragen aus dem Weg zu gehen. Denn auf die Kritik von „Oire-Szene“ reagierte die Band aus Geyer, inklusive einer vermeintlichen Distanzierung in totalitärer Manier so: „werdet am besteb Emo´s oder sowas… Da könnt ihr den ganzen Tag heulen!“(Fehler im Orig.)

Infokollektiv G3